vorgegangen wäre. Darum urtheile nicht hart über ihn, er gehörte wenigſtens nicht zu der großen Zahl derjenigen, welche den Frieden eines jungen, unerfahrenen Mädchen⸗ herzens als ein werthloſes, lächerliches Phantom betrach⸗ ten und ſich des Sieges darüber mit cyniſcher Genugthuung und Selbſtgefälligkeit rühmen.
Es war alſo Ball am Abende jenes Tages, ein großer, zahlreich beſuchter Ball; auch wir dürfen natürlich auf demſelben nicht fehlen, da wir mit vielen Perſonen unſerer Erzählung dort zuſammentreffen werden.
Um einigermaßen nach der Rangordnung zu verfah⸗ ren, wollen wir mit dem Prinzen beginnen. Man hatte ihm neben dem Rector, unter der zwiſchen Blumen auf⸗ geſtellten Büſte des Landesherrn, eine Art von Ehrenplatz eingeräumt, denn die Wiſſenſchaft und ihre Jünger ſind keineswegs unempfindlich gegen die Verlockungen und Spielereien des Ehrgeizes. Niemand trägt gewöhnlich die Kreuzeszeichen dieſer Sclaverei mit größerem Wohlbehagen und Selbſtüberhebung, als gerade Gelehrte, Dichter und Profeſſoren— und ſo war man auch hier bedacht geweſen, den Erbprinzen des benachbarten, ſogar noch etwas größe⸗ ren Landes, deſſen Fürſt drei Orden, jeden mit drei Claſ⸗ ſen, zu verleihen hatte, nach Gebühr zu ehren. Der Prinz ſetbſt aber fand ſich dadurch keineswegs geehrt. Die Ge⸗ ſellſchaft der zeitlichen Vorſtände der Univerſität und ihrer Frauen intereſſirte ihn nicht i n eſten, er gab ſehr


