Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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entſproſſen, befand ſich jetzt in der letzten Hälfte der Dreißig, war jedoch noch immer eine ſchöne und durch ihre hohe und volle Geſtalt imponirende Frau. Mehr als durch ihre körperliche Schönheit glänzte ſie jedoch durch ihren Verſtand und ihren Geiſt, der zugleich mit einer großen Herzensgüte und Reinheit gepaart war. Ihr beſonders war das Ver⸗ hältniß des Fürſten zur Gräfin ein Gräuel, und bei ihrem lebhaften, zum Theil ſogar unbeſonnenen Charakter ſprach ſie ihre Meinung oft unverhohlener aus, als es ihrem Manne angenehm war. Dazu kam, daß ſie auch in politiſcher Beziehung viel freiſinnigere Anſichten hatte, ſo daß es häufig zu ſehr lebhaften ehelichen Erörterun⸗ gen kam.

Der Geheimerath liebte ſeine Frau, die er aus reiner Neigung geheirathet hatte, noch immer mit einer keines⸗ wegs leidenſchaftsfreien Zuneigung. Ihre Ehe war kin⸗ derlos geblieben, aber ihre gegenſeitige Liebe hatte darunter nicht gelitten, und ihr Glück wurde ſelbſt dadurch nicht ge⸗ trübt, daß die Geheimeräthin zu den entſchiedenen und an⸗ erkannten Anhängern der Fürſtin gehörte, in deren Gefolge ſie auch häufig öffentlich erſchien.

Deſſen ungeachtet erhielt ſich der Geheimerath aber im ungeſchwächten Vertrauen des Fürſten, einmal ſeiner großen Geſchäftsgewandtheit und Brauchbarkeit wegen, und dann, weil man erkannt hatte, daß man ſich in allen wichtigen Dingen, trotz des Einfluſſes ſeiner Frau, doch feſt auf ihn