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Der Geheimerath war daher ein politiſcher Schwärmer der beſten Art, denn er ſah in dem regierenden Fürſten einen von dem göttlichen Geiſte beſonders begnadigten Menſchen und nahm an, daß der göttliche Wille ſich auch dann in ſeinen Entſchließungen kund gebe, wenn dieſe nach der Einſicht menſchlichen Verſtandes keineswegs zum Heile der Regierten gereichen konnten.
In letzterer Beziehung hatte er oft, wenn er die Hand⸗ lungsweiſe ſeines Fürſten beurtheilte, mit erheblichen, ſeine Theorie ſtark erſchütternden Zweifeln zu kämpfen, indeſſen er ging doch ſchließlich ſiegreich daraus hervor, nur wurde er verſchloſſener, iſolirter und vermied ſichtlich jede Aeußerung über Politik und Regierungs⸗Maßregeln, wenn er nicht durch ſein Amt dazu 3 ezwungen wurde.
Am meiſten kränkte ihn das Verhälmiß des alten Für⸗ ſten zu ſeiner Maitreſſe, einer allgemein verhaßten Perſön— lichkeit, einmal, weil man dieſer Maitreſſenwirthſchaft herz⸗ lich überdrüſſig zu werden anfing, und dann, weil ſie ſelbſt keineswegs in beſcheidener Zurückgezogenheit lebte, ſondern mit denſelben Ehren, wie die Fürſtin, überall öffentlich er⸗ ſchien und ſich in ſehr verderblicher Weiſe in die Regie⸗ rungs⸗Geſchäfte miſchte. Die Gährung nahm im Lande ſichtlich zu, und das Begehren nach Entfernung der Gräfin wurde immer lauter und drohender.
Der Geheimerath ſelbſt war ſehr glücklich verheirathet. Seine Frau, einem alten, aber verarmten Adels⸗Geſchlechte
Guſtav vom See. Wogen des Lebens. 1. 13


