Gemüth des heranwachſenden Prinzen vortheilhaft einzu⸗ wirken, als die ſtets zunehmenden Zerwürfniſſe und Spal⸗ tungen zwiſchen Fürſt und Volk.
Der Geheimerath von Stuhm, der eine cnußriche Stellung im Miniſterium einnahm, gehö hörte keineswegs zu den Anhängern des fürſtlichen Regimentes. Er war zwar ein ſtrenger Ariſtokrat, aber in der guten und edlen Bedeu⸗ tung des Wortes. Nach ſeiner Anſicht lag die unbeſchränkte Gewalt in der von Gott eingeſetzten Obrigkeit, das heißt in dem angeſtammten Fürſtenhauſe; jede Beſchränkung oder Abſchwächung derſelben durch Stände, wenigſtens durch andere als nur Rath ertheilende Stände, hielt er für einen Eingriff in dieſe geheiligten Rechte, aber er theilte auch ge⸗ rade deßhalb dem Regenten ſehr umfaſſende Pflichten und eine große Verantwortlichkeit zu. Der Fürſt ſollte nach ſeiner Theorie der Vater ſeines Volkes ſein und alles Gute, alles Edle von ihm ausgehen. Er durfte kein anderes Beſtreben, keine anderen Wünſche haben, als das Wohl der ihm von Gott anvertrauten Unterthanen, die wieder in ihm ihren Beſchützer, ihren Wohlthäter, den alleinigen Beför⸗ derer ihres zeitlichen Glückes erblicken ſollten. Er verlangte von den Unterthanen unbedingten Gehorſam, auch in Din⸗ gen, die vielleicht ihrer Anſchauung oder ihrer Faſſungs⸗ traft fern lagen, weil ſie darüber keinen Zweifel hegen durften, daß alles, was geſchah, lediglich ihr Beſtes be⸗ zwecke.


