Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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Konnte ich anders? es war wirklich unmöglich! Was ſchadet es denn, wenn du den Brief lieſt?

Die Alte holte bei dieſen Worten einen zierlichen Brief hervor, den das junge Mädchen eine Zeit lang zögernd be⸗ trachtete, dann aber mit einem raſchen Entſchluſſe in Em⸗ pfang nahm. Sie trat einige Schritte zurück in eine Fen⸗ ſterniſche, und während die Alte ſich im Zimmer beſchäf⸗ tigte, erbrach ſie das Couvert und las. Um ihren ſchönen

Mund legte ſich nach und nach ein wehmüthiger Zug, während ihre Augen auf den Zeilen ruhten, dann aber wurde ihre Miene ſpöttiſch, und ſie brach in ein leiſes, etwas gezwungenes Gelächter aus.

Von der uns zuſtehenden Freiheit Gebrauch machend, nehmen wir keinen Anſtand, den geheimnißvollen Brief gleichfalls zu leſen. Er lautete:

„Fahre wohl!“ Es iſt Eine wie die Andre, Und die Andre wie die Eine, Darum ich nun wieder wandre— Weine, mein Kind, ach weine!

Wie ſo oft haſt du verſprochen

Nur allein zu ſein die Meine,

Und wie leicht die Treu gebrochen— Weine, mein Kind, ach weine!

Lieb iſt niemals ohne Leiden, Doch das Leid kommt oft alleine, Müſſen nun für ewig ſcheiden— Weine, mein Kind, ach weine!