reizenden Halſes. Die dunkeln, reichen und glänzenden
Haare waren noch nicht geordnet, wurden vielmehr, in zwei 3 Flechten abgetheilt, von einer langen Nadel im Nacken zu⸗ ſammengehalten. Das junge Mädchen war eben vor den
beſcheidenen Spiegel mit Nußbaumrahmen getreten, welcher an dem Pfeiler zwiſchen den beiden Fenſtern hing, und hielt in der erhobenen Hand ein mit Spitzen reich garnirtes
Kleid von weißem Atlas. Ein Atlaskleid habe ich noch nie gehabt, ſagte ſie,
daſſelbe hin und her bewegend, um den Anblick deſſelben in dem dazu nicht ausreichenden Spiegel zu erlangen, ich glaube, ich werde nicht übel darin ausſehen, es wird zu meinem dunkeln Haare paſſen— aber es könnte hübſcher ſein. Der Atlas iſt ſthr leicht, fuhr ſie fort, den Stoff gegen das Licht haltend, und die Spitzen ſind nicht echt. Er weiß doch, daß ich einmal eine Leidenſchaft für echte Spitzen habe, und ich ſollte denken, bei dem Brautkleide müſſe man ein paar lumpige Thaler nicht anſehen. Aber ſo ſind die Männer alle, ſie haben keinen Geſchmack, kein
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Verſtändniß für weiblichen Putz, und doch eine unvertilg⸗
bare Leidenſchaft, ſelbſt derartige Sachen zu kaufen. Wenn ſie dann damit ankommen, ſo muß man Alles wundervoll und ausgezeichnet finden und darf unter keiner Bedingung auch nur den leiſeſten Tadel laut werden laſſen— ſonſt ſteht ſogleich Sturm im Kalender. Man iſt unzart, un⸗
dankbar, beſitzt keine Bildung des Herzens, wie ſich Ferdi⸗


