Fünfßzehntes Capitel.
Obgleich Hedwig nur wenige Stunden in einem un⸗ ruhigen Schlummer zugebracht, war ſie dennoch am ande⸗ ren Morgen ſehr früh aufgeſtanden. Noch in der Nacht hatte ſie an ihren Vater geſchrieben und eine ungewöhnlich lange Zeit zu dieſem Briefe gebraucht; denn als ſie ge⸗ zwungen wurde, ihre Gedanken niederzuſchreiben, ihr Handeln zu rechtfertigen und die Zuſtimmung ihres Vaters dazu zu erbitten, traten ernſtere Erwägungen bei ihr in den Vordergrund. So ſehr dieſelben auch von der Liebe beherrſcht und zurückgedrängt wurden, ſie erkannte doch, daß ſie am Abſchluſſe ihres bisherigen Lebens ſtehe, in neue, unbekannte Bahnen auf ſehr ungewöhnlichen Wegen einlenke, daß ſie Alles ihrer Liebe opfere, der Liebe zu einem ihr faſt noch fremden und doch ſo feſt und unauflöslich mit ihr verbundenen Manne.


