dem ſie mit den Augen die Stelle aufſuchte, an welcher ie das Bild im Traume geſehen hatte— ach, was man fr
thörichte und unglaubliche Träume haben kann! ſagte ſi dann munter und mit einem gezwungenen Lächeln— ic
will verſuchen, wieder zu ſchlafen, denn es iſt ja erſt vi
Uhr.
Ja, es gibt thörichte und ſonderbare, liebliche un ſchreckliche Träume, aber ſie ſind doch immer nur Abſpie⸗ gelungen unſerer Gedanken und unſerer geheimſten Em⸗ pfindungen, getrübt und verzerrt, oder geläutert und ver⸗ ſchönert durch die Einwirkung und den Zuſtand der zeiti⸗ gen Hülle unſerer Seele, welche in dieſem freien, aber willenloſen Ergehen oft in weite Fernen zurückgreift und deren Bilder wieder in die Gegenwart rückt, oder kaum gedachte Wünſche und Hoffnungen zu Erfüllungen macht und dieſe mit dem Zauber einer regelloſen, ungehinderten Phantaſie ausſchmückt. 8
Aber der Schlaf, welcher kommt„wie ein reines Glück, unerbeten, unerfleht, am willigſten die Knoten de ſtrengen Gedanken löſt und alle Bilder der Freude un des Schmerzes verwiſcht“, er ſenkte ſich nicht mehr auf ihre Augen herab, obgleich ſie ihn erſehnte. Der Mond auf ſeinem einſamen Wege durch den wolkenloſen, klare und kalten Nachthimmel weiter ziehend, rückte langſai vor das nach Süden gelegene Fenſter ihres Zimmers un


