bin in einem unglücklichen Jahre geboren, das weder einen Frühling noch einen Sommer hatte.— Der Winter iſt da und will mir zum Bunde die Hand reichen, ſoll ich ſie ausſchlagen und immer noch an die längſt verblühten Veilchen und Roſen denken? Soll ich es auch mit dem Winter verderben, wie ich es mit ſeinen Vorgängern ge⸗ than, weil ich die Stürme, die Kälte und den Schnee fürchte, den er jedenfalls bringen wird? Oder ſoll ich mich zum Kampf mit ihm rüſten, damit ich ihn beherrſche und mir ſeine Macht unterthänig mache?— Entweder dies, ſprach ſie leiſe und langſam weiter— oder, auf Alles verzichtend, mich zur Ruhe legen— unbekümmert darüber, ob auf dem Hügel, welcher mich deckt, Blumen
blühen oder der kalte Schnee liegt.— Das wäre jeden⸗ falls das Beſte und meines ſehnlichſten Wunſches liebſte Erfüllung.—
Welcher Menſch hätte nicht ähnlichen Gedanken nach⸗ gehangen? Die beſten und edelſten verfallen ihnen am leichteſten, weil ſie die Richtigkeit des menſchlichen Lebens am meiſten erkennen; die Jugend ſpielt und ſchwärmt da⸗ mit, weil das Spiel des Gefühls und die Schwärmerei zu ihrer Beſchäftigung gehört, aber bei dem tiefen und feſten Charakter Hedwig's war es mehr als eine Schwär⸗ merei. Es war ein Reſigniren, ein Sichabfinden mit der Jugend, vielleicht mit dem Leben, welches bis jetzt keine


