Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Ost und West : 1. Theil (1865)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

237

des Zwanges, denn auch dieſe Spazierfahrt war eine Arbeit, eine kaiſerliche Arbeit. Er mußte ſich ſeinem Volke einmal wieder zeigen, ihm Gewißheit geben, daß er munter und wohlauf ſei, daß ſeine Stimmung nicht durch die ſich zuſammenziehenden Kriegswetter beeinträch⸗ tigt wäre— er hatte ja vielleicht Vieles von dieſem Volke zu fordern, Alles, was es geben konnte, Blut und Leben, und deßhalb mußte er ſelbſt beweiſen, daß er die Ueber⸗ zeugung habe, mit dieſen Opfern dasjenige zu erringen und zu erhalten, was bei jedem, auch dem roheſten Menſchen höher geſchätzt wird, als Blut und Leben— die Freiheit und die Unabhängigkeit, wenn man nur verſteht, ihn aus ſeinem dumpfen Schlummer zu erwecken und mit dieſen ſo oft mißbrauchten Namen ſeine Leidenſchaften und ſeinen Fanatismus anzuregen.

Hierzu machte man jetzt die erſten Verſuche, wenn auch noch mit einer gewiſſen Scheu und Vorſicht, da man nicht wußte, ob es nöthig ſein würde, einen Strom ſich entfeſſeln zu laſſen, deſſen Wiedereindämmung nachher ſeine Schwierigkeiten haben konnte. Der freundlich grü⸗ ſende, raſch dahinfliegende Zar in dem einfachen Schlitten, der ein um ſo glänzenderes Gefolge hinter ſich hatte, befand ſich daher in einer keineswegs müheloſen Arbeit, welche er mit dem genugthuenden Gefühle der Pflichterfüllung beendete, als ſein Schlitten vor dem