Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Ost und West : 1. Theil (1865)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

liches Weſen verletzte ihn nicht mehr, ſondern erregte bei ihm eine wohlthuende Empfindung.

Der Entſchluß, nach Paris zu reiſen und Margot wiederzuſehen, ſtand bei ihm feſt. Seine Mutter machte mancherlei Einwendungen, Hedwig aber billigte ihn und hatte ja ſogleich dazu gerathen, obgleich ſie es jetzt ver⸗ mied, in irgend eine nähere Erörterung deßhalb einzu⸗ gehen. Er erbat und erhielt durch ihre Vermittlung Ur⸗ laub und ſchrieb an Margot, daß er kommen, in wenigen Tagen abreiſen würde.— Da erkrankte der Graf. Die Reiſe mußte nothwendig verſchoben und als des Grafen Krunteit einen bedenklichen Charakter annahm, vorläufig ganz aufgeſchoben werden.

Nit ſchwerem Herzen war er genöthigt, dieſes aber⸗ malige Hinderniß Margot mitzutheilen. Ihre Antwort athmete zwar die alte Herzlichkeit, aber zwiſchen den Zeilen lag doch, ſo ſchien es ihm wenigſtens, ein leiſer Anflug von Unmuth, daß er ſein Verſprechen nicht erfüllen könne.

„Wieder habe ich mich ſo ſehr gefreut,“ ſchrieb ſie, „wieder habe ich die Tage und die Stunden gezählt, welche noch zwiſchen Ihrer bevorſtehenden Ankunft lagen — und es iſt wieder Alles in eine weite, weite, unge⸗ wiſſe Ferne gerückt. Jetzt iſt Raoul noch hier, mein ge⸗ liebter Bruder, wer weiß, wie lange in dieſen unruhigen Zeiten ſein Bleiben in Paris noch möglich iſt— dann