Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Ost und West : 1. Theil (1865)
Entstehung
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ſchen Denken und Empfinden beſteht ein großer Unter⸗ ſchied.

Während er ihr den Beweis höchſten Vertrauens zu geben glaubte einen Beweis, für welchen er im Stillen, ſich ſelbſt unbewußt, auf Erwiederung— auf Belohnung hoffte, trat bei ihr gerade das Gegentheil ein. Ihr Stolz flog empor, und ſein Wehen zerriß die zarten Blät⸗ ter der Liebe an dem Baume ihres Herzens. Er gehörte einer Andern— und konnte deßhalb niemals mehr ihr gehören! Sie begehrte ſeiner nicht aus der zweiten Hand! Ueber alle Standesvorurtheile hätte ſie ſich rückſichtslos hinweggeſetzt, es lag nach ihrem Charakter ſogar ein Reiz für ſie darin, es zu thun— aber der Mann, der ſo mit einer Andern geſchwärmt hatte, noch immer ſo für dieſe Andere ſchwärmte und ihren Verluſt beklagte, hörte auf, für ſie begehrungswerth zu ſein.

Dies Alles dachte ſie ebenfalls nicht, ſie dachte oder empfand vielmehr ganz etwas Anderes, und erſt einer weit ſpäteren Zeit blieb es vorbehalten, ſich ihres dama⸗ ligen Empfindens bewußt zu werden.

Den Antheil, den ſie an Walther genommen, maß ſie mit Einem Male allein den Umſtänden zu und glaubte zu fühlen, daß ſich dieſer Antheil durch ſeine Wittheilung noch geſteigert habe. Sie war die Vertraute ſeines Ge⸗ heimniſſes geworden, und ſein Handeln und Benehmen