erſchien ihr dadurch in einem ganz anderen Lichte. Es durchzuckte ſie wohl ein Schmerz, daß Manches anders geworden, aber ſie fand ein wohlthuendes und erhebendes Gefühl in dem Gedanken, ihm eine Freundin zu ſein und ſo viel als möglich auf ſein Geſchick günſtig einzu⸗ wirken.
Sie fühlte zugleich, daß Manches in ihrem gegenſei⸗ tigen Verhältniſſe anders werden könne, daß ſie vielleicht hin und wieder etwas unvorſichtig gehandelt habe und das ferner unterlaſſen müſſe, und ſie unterließ es. Wäh⸗ rend ſeine Gefühle ſich aufgipfelten und ihn über die Be⸗ denken ſeines Verſtandes forttrugen, wie immer, wenn die Leidenſchaft uns ergreift— dachte ſie mit einer Mi⸗ ſchung von Scham und verletzter Eitelkeit an diejenigen Stunden, in deren Erinnerung ſie noch vor Kurzem ge⸗ ſchwelgt hatte. Er fühlte ſich durch ihr plötzlich verän⸗ dertes Benehmen gekränkt und gedemüthigt. Ihre faſt abſichtliche, aber doch immer erkaltete Freundlichkeit ſtieß ihn ab und verletzte ihn; er mied ſie und erkannte zum zweiten Male mit der ganzen Bitterkeit ſeines gekränkten Gefühles, daß er wiederum eine Thorheit begangen habe, indem er ſein Herz einer hochgeborenen Gräfin zugewandt. Konnte ſie mich aufgeben, ſie, in deren kindlich reinem Herzen der ganze Himmel der Unſchuld und der Demuth
zu liegen ſchien— nur deßhalb, weil ſie plötzlich vor⸗


