Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Ost und West : 1. Theil (1865)
Entstehung
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Wehring's Brief erhalten, und demjenigen, wo Graf und Hedwig ihre Reiſe angetreten hatten. In Walther's Seele waren, als er die un te Wittheilung Wehring's und Margot's geleſen, jee verlockenden Bilder einer längſt begrabenen Vergalger

heit wieder zu neuem, begehrungsvollem Leben erſtawei; 3

Sie erinnerte ſich ſeiner, ſie dachte an ihn wie ſonſt, mil,

der alten, unveränderten Empfindung, ſie hatte niemels

aufgehört, ſo an ihn zu denken, ſo für ihn zu fühlen— ſie ſchrieb an ihn— das kleine, duftige Stückchen Papier mit den wenigen Zeilen ihrer ihm ſo wohlbekannten Schriftzüge— es lag eine Welt für ihn in dieſem Stück⸗ chen Papier, eine Welt voll Erinnerungen, eine Welt

voller Hoffnungen. Richt die Worte allein, ſelbſt die

einzelnen Buchſtaben ſprachen zu ihm— hatte er ſie doch gelehrt, ſie ſo zu ziehen, ähnlich den ſeinigen— ach, wie ſchwebten ihm jene Stunden wieder ſo lebhaft vor!—

und gelehrig, wie in allen Dingen, war ſie bemüht ge⸗

weſen, ihre Handſchrift der ſeinigen nachzubilden, ſo daß beide eine überraſchende Aehnlichkeit erhalten hatten— ietzt noch mehr als ſonſt, als ob ſie dieſe Studien fort⸗ geſetzt hätte. Nur waren ihre Schriftzüge zierlicher, fei⸗ ner, weicher— ach, er hatte ſeine eigene Schrift nie ſo ſchön gefunden, als jetzt, wo Wargot's Briefchen voni

lag! Es überkam ihn eine ordentliche Hochachtung