Es ging plötzlich eine große Veränderung in ihm vor, als ſie dieſe Worte mit ruhiger und wahrer Ueberzeugung zu ihm ſprach, denn er erkannte— daß ihn Hedwig nicht liebe, wenigſtens nicht ſo, wie ein Weib den Mann ſeiner Wahl liebt. Dieſes Bewußtſein, welches ihn plötzlich durchzuckte, machte ihn unendlich glücklich, denn der Widerſtreit ſeiner eigenen Gefühle kam dadurch zum Abſchluſſe. Er konnte Margot lieben, ſo wie er ſie im Innerſten ſeines Herzens immer geliebt hatte, und Hedwig wie eine Freundin, wie eine Schweſter— denn ſie ſelbſt begehrte ja nicht mehr von ihm.
Ach, ſagte er, wie danke ich Ihnen für dieſen Beweis Ihrer Theilnahme und Ihrer Güte, wie glücklich bin ich, mit Ihnen von ihr reden zu können, ohne befürchten zu müſſen, mißverſtanden zu werden.
Haben Sie dies denn befürchtet? fragte ſie mit ei⸗ nem ſchmerzlichen Ausdrucke.
Sie ſtanden mir zu fern, etwiederte er, feſt in ihre Augen blickend, die ſie erſt nach einiger Zeit niederſchlug.
Aber jetzt iſt dies nicht mehr der Fall, ſagte ſie dann — ſo theilen Sie mir denn auch mit, was Sie nun zu thun gedenken.
Was ich zu thun gedenke? wiederholte er mit einem tiefen Athemzuge— was ſoll ich thun? Was kann ich anders thun, als mich bemühen, ſie zu vergeſſen! Alfred hat Recht, es wäre beſſer geweſen, Wehring wäre nicht


