Teil eines Werkes 
4. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

222

Scheu davor, mit ihr zuſammen zu kommen. Wenn er auf ſeinem Zimmer ſchweigend und nachdenkend ſaß, wie er jetzt längere Zeit that, ſo wurde er oft von ſolcher inne⸗ ren Unruhe und Beklemmung ergriffen, daß er aufſpringen und das Fenſter öffnen mußte, um freier Athem holen zu können, als ob die Luft des Zimmers dazu nicht aus⸗ reichend geweſen wäre. Seine Gedanken beſchäftigten ſich dann mit Hedwig und führten ihm alle jene Stunden zurück, die er in ihrer Geſellſchaft verlebt hatte, die Worte, welche ſie zuſammen beziehungsvoll gewechſelt, und was er dabei in dem innerſten Grunde ſeines Herzens gefühlt und empfunden hatte. Das Alles kam ihm jetzt wie ein Verrath, wie eine Untreue an Margot vor, denn die Liebe zu ihr war wieder in ihrer ganzen Gewalt in ihm erſtan⸗ den. Er mochte es ſich noch ſo oft und beſtimmt verge⸗ genwärtigen, daß dies eine hoffnungsloſe Thorheit ſei, daß er ein Unrecht begehe auch gegen Margot, wenn er nur im Entfernteſten dieſen Zuſtand ſeines Herzens durchblicken laſſe es half nichts, dieſes Unrecht war bereits began⸗ gen ſein Brief geſchrieben und unterwegs. Er durfte die Freude und das Glück, welches ihm durch ihren Brief zu Theil geworden war, doch nicht verſchweigen mehr hatte er ja eigentlich nicht gethan und ſie waren ja ſo weit ſo weit getrennt, und Alles ſo hoffnungslos, daß ſie dies ſelbſt erkennen und danach handeln würde. Damit entſchuldigte er ſich aber Hedwig? Wenn er an Hed⸗