12
meiner Schweſter wird— Du müßteſt es denn ſelbſt wollen.
Wie kannſt Du ſo etwas von mir glauben!
Ich glaube es auch nicht und freue mich, daß Du Dich von den äußeren blendenden Eigenſchaften dieſes ver⸗ führeriſchen Mannes nicht haſt beſtechen laſſen, ſondern ihn richtig erkannt haſt. Nein, lieb Schweſterchen, dieſer Mann iſt Deiner nicht werth und nicht würdig; denke nicht mehr an ihn, und wenn ſpäter Einer kommt, dem Dein Herz ſich zuneigt, ſo verſchmähe es nicht, Deinen Bruder zum Mitwiſſer zu machen, er wird Dir rathend zur Seite ſtehen.
Sie erröthete bei dieſen Worten und blickte verlegen zur Erde, denn ſie beſaß noch nicht die Kunſt der Verſtel⸗ lung, und er erkannte, indem er ſie anſah, daß ſeine letzte unabſichtliche Aeußerung für ſie mehr als eine ſolche gewe⸗ ſen war.
Wäre vielleicht dieſer Zeitpunct ſchon eingetreten, fuhr er daher lächelnd fort, wäre es nicht allein die Abnei⸗ gung gegen den Herzog, ſondern die Zuneigung gegen einen Anderen, welche mein Schweſterchen zu ſolchem be⸗ ſtimmten Widerſpruche geſtählt hat?
Ach, Raoul, ſagte ſie, noch tiefer erröthend, wie kannſt
Du ſo etwas von mir denken? 3 Weshalb ſoll ich das nicht denken können? Ich erin⸗ nere mich noch ſehr lebhaft daran, mit welcher Leidenſchaft⸗
——


