doch gewiß zu bedauern wäre; auch bin ich überzeugt, daß Du ſelbſt, geneigte Leſerinen, Dich für eine ſolche Aus⸗ nahme hältſt, die Geſchichte Deines Herzens mag bereits der Vergangenheit oder noch der Zukunft angehören.
Daß Margot zu dieſen Ausnahmen gehört, bedarf keiner weiteren Verſicherung. Sie war feſter denn je ent⸗ ſchloſſen, die Bewerbung des Herzogs zurück zu weiſen und es deshalb zum Aeußerſten kommen zu laſſen. Wir kennen den Grund dieſer entſchiedenen Weigerung, wenn ſie ihn ſelbſt auch nicht anerkannte oder ihn ſich wenigſtens nicht eingeſtehen wollte. Ihre Liebe zu Walther war nicht ein⸗ mal eine ſolche,„die vom Thau der Hoffnung ſchmachtend lebt“, denn ſie hatte keine Hoffnung— keine, ihn jemals nur wiederzuſehen, aber dennoch lebte dieſe Liebe in ihrem Herzen, und ſie hatte nur den Einen Wunſch, mit derſelben
ſich ſelbſt und allein auzugehören, niemals aber einem
Anderen.
Der Tag war ihr in unruhigem Denken und Ueber⸗ legen vergangen, nicht darüber, ob ſie ſich doch vielleicht fügen ſolle, fondern allein darüber, wie ſie es anzufangen habe, alle weiteren Maßnahmen zu verhindern. Es war gegen Abend, als ſie ſich entſchloß, mit ihrem Vater zu ſprechen. Sie hatte zu ihm mehr Vertrauen, als zu ihrer Mutter, und gab ſich der Hoffnung hin, daß er ihren Bit⸗ ten, ihrer beſtimmten Weigerung nicht widerſtehen würde. Aber auch in dieſer Vorausſetzung täuſchte ſie ſich ſehr.
Gräfin und Marquiſe. MI. 16


