240
enn er entſpricht durchaus nicht dem Ideale ihrer Mäd⸗ chenträume— aber ſoll ſie ihn ausſchlagen, noch länger in den beengenden und unſelbſtändigen Verhältniſſen des el⸗ terlichen Hauſes ausharren, vielleicht gar ſitzen bleiben? Nein, es iſt wohl zu überlegen, und es würde leichtſinnig und unverantwortlich ſein, den Antrag zurückzuweiſen. Er iſt allerdings ſchon über die Blüthe der Jahre hinaus, hat das Leben genoſſen, hat dies und jenes gethan, aber das fällt nicht in das Gewicht, er iſt wohlhabend, oder gar reich, oder hat ein gutes Amt, oder— kurz, es iſt kein Grund vorhanden, Rein zu ſagen, deshalb ſagt man Ja. Freude, Verlobung, Glückwünſche und plötzlich ent⸗ ſtehende Liebe und Zärtlichkeit, deren Darlegung es nun ſelbſt nicht einmal mehr für nöthig hält, ſich in Gegenwart Anderer Rückſichten anfzulegen— man iſt ja Braut und Bräutigam.— Wennwireingeſtehen müſſen, daß die meiſten Ehen in dieſer Weiſe geſchloſſen werden, auf dem Fundamente der Proſa und der Feſthaltung des eigenen Vortheils, und zugleich nicht leugnen können, daß piele dieſer Ehen den⸗ noch glücklich veriaufen, ſo müſſen wir doch auch anerkennen, daß es Ausnahmen gibt, Bündniſſe der Herzen, die ſich mit ſympathiſcher Gewalt zu einander hingezogen fühlen und erkannt haben, daß nur in dem Beſitze dieſes Herzens das einzige und glleinige Glück zu ſinden ſei. Gäbe es ſolche Ausnahmen nicht, ſo würden entweder gar keine Romane oder nehr langweilige geſchrieben werden können, was


