er wählt, was ihm zuſagt, ſie wird gewählt und findet im
Ganzen und Großen plötzlich in dem Wählenden das Ideal ihrer Wünſche. Sie hat dieſen Mann häufig längere Zeit mit Gleichgültigkeit betrachtet, mit Einem Male, nur weil er ernſtliche Abſichten an den Tag legt— finden ſich Ei⸗ genſchaften an ihm, welche die Liebe erzeugen, ſie duldet ſeine Zärtlichkeiten, ſie erwiedert ſie und giebt ihm dann alles, was ſie überhaupt zu geben hat.— Das iſt mehr oder weniger die Entſtehungsgeſchichte der Ehen bei den chriſtlichen Völkern, während hei den anderen, wo das Sit⸗ tengeſetz des Chriſtenthums nicht zur Geltung gekommen iſt, das Weib nur einer Waare gleicht, die der Mann er⸗ ſteht zur Befriedigung eines ihm nöthigen Genuſſes und zur Fortpflanzung ſeines Geſchlechtes⸗
Aber ſelbſt bei den gebildetſten Nationen iſt in vielen, ja, wir können es nicht leugnen, in ſehr vielen, faſt in den meiſten Fällen die Ehe ein Geſchäft, das vorher nach allen Seiten hin überlegt und dann abgeſchloſſen wird, in der Vorausſetzung, daß die Liebe ſich ſelbſtverſtändlich finden werde. Der Mann fragt vorher nach dem Vermögen, nach dem Stande, vielleicht auch nebenbei nach der Bildung der⸗ jenigen, deren körperliche Vorzüge ihn a tziehen, und geht bedauernd ſeines Weges weiter, wenn dies nicht zu ſeinen Plänen oder Ausſichten paßt; das Weib tt Manne eine gute und annehmbare Partie, eine erwünſchte
Verſorgung— es könnte zwar Vieles an ihm ſein,


