einmal, vielleicht für immer zum letzten Male, nach dem Glücke geizend, den geliebten Scheidenden an das Herz zu drücken.
Dann riefen die tiefen Töne der Flügelhörner, die Trompeten ſchmetterten, die Reihen ordneten ſich, und unter dem lauten Schalle der kriegeriſchen Muſik, welche die letzten Grüße der Scheidenden übertönte— zogen ſie ab. Die naßgeweinten Tücher der Zurückbleibenden wehten ihnen nach, ſo lange, bis auch der Letzte dieſer heldenmüthigen Schaar, von denen ſo viele, und unter ihnen ihr begeiſterter Sänger ſelbſt, die geliebte Heimath niemals wiederſehen ſollten, hinter dem nahen Hügel verſchwunden war.
Der Freiherr fuhr mit den beiden weinenden Mäd⸗ chen zurück; ſo groß aber auch ihr Schmerz war, ihre Stimmung blieb dennoch immer eine gehobene, denn ſie wußten es, daß es nicht anders ſein konnte, und die Hoffnung, dieſe ſtets bereite, tröſtende Gefährtin der lei⸗
denden Menſchen, zeigte ihnen die Zukunft im hellen,
lachenden Sonnenſchein. Die preußiſche und die ruſſiſche Armee rückten nun gemeinſchaftlich nach Sachſen Napo⸗ leon entgegen, welcher mit einem neugeſchaffenen Heere wieder im Herzen von Deutſchland ſtand; nur die Land⸗ wehr konnte noch nicht kriegsdienſtfertig werden zur gro⸗ ßen Betrübniß des Freiherrn und zur Freude Louiſens und Anna's, die ſie aber nicht verlauten laſſen durften.
Die Schlachten von Lützen und Bautzen wurden geſchla⸗ 16*


