Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
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wird ein Geheimniß ungeachtet der Mitwiſſenſchaft von zwei Frauen bewahrt bleiben können? 3

Anna iſt ein kaum den Kinderjahren entwachſenes, ihren Eltern ganz ergebenes Mädchen, das ſtill und zu rückgezogen lebt, dabei zuverläſſig und entſchloſſen. Die Eheleute Baumann ſcheinen zwar nicht die glücklichſte Ehe zu führen, denn er behandelt ſie mit einer oft her⸗ vortretenden Geringſchätzung, beſonders wenn er, wie ſehr häufig, angetrunken iſt, und ſie wirft ihm dann die⸗ ſes liederliche Leben, wie ſie es nennt, vor, was zu man⸗ chen gerade nicht angenehmen häuslichen Scenen Ver⸗ laſſung giebt, welche ich der lieblichen Tochter wegen ſehr bedauere; aber die Mutter ſtimmt im Haſſe gegen die Franzoſen ſo vollſtändig mit dem Vater überein, daß du gerade deshalb vollkommen ſicher ſein wirſt.

Der lieblichen Tochter wegen, ſagteſt du? bemerkte der Offizier lächelnd, mit dem Finger drohend, hör, Ulrich, ſchenke mir klaren Wein ein, damit ich weiß, woran ich bin. Haſt du eine Liebſchaft mit dem Mäd⸗ chen, oder liegt es in deiner Abſicht, eine ſolche einzu⸗ leiten?

Keines von beiden, Rudolf, gewiß und wahrhaftig nicht. Einmal wäre Anna dazu doch wohl noch zu jung, jedenfalls aber zu gut. Beide Rückſichten werden gewiß auch für dein Benehmen maßgebend ſein; ich habe ſie vorausgeſetzt, als ich dir den Vorſchlag machte. Sorge nicht für mich, Freund! Wie kannſt du