Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
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einen eigenthümlichen zerfahrenen Mann, dem Trunk er⸗ geben, der mich aber zuerſt durch die Art ſeines Spiels, dann durch ſein ganzes Weſen intereſſirte. Er iſt, was man im gemeinen Leben mit dem Ausdruckein ver⸗ dorbenes Genie bezeichnet, und wenn er nüchtern iſt, ſo iſt er nicht ein verdorbenes, ſondern ein wirkliches. Ich wurde näher mit ihm bekannt, wir ſpielten zuweilen Duette, ich ſuchte ihn in ſeinem Hauſe auf, weil er faſt nie kommt, wenn er es zugeſagt, und ich glaube, daß du nirgendwo unbeobachteter und ſicherer ein paar Tage zubringen kannſt, als eben bei meinem alten Violiniſten.

Wenn du es meinſt, ſo finde ich keinen Grund, an⸗ derer Meinung zu ſein. Wohnt er allein, und in wel cher Gegend der Stadt?

Er wohnt hinter dem Dom, in einem Gartenhäus⸗ chen, welches ihm ein Kaufmann, der es nicht benutzt und ſein Talent zu ſchätzen weiß, eingeräumt hat; dort hat Niemand viel zu ſuchen, und wenn du dich ſtill hältſt und ungeſehen ein- und ausgehſt, wird deine An⸗ weſenheit unbeachtet bleiben.

Ich nehme deinen Vorſchlag dankbar an, ich werde dort zugleich Muße haben, über alle weiteren Entſchlüſſe

reiflich nachzudenken.

Du irrſt, wenn du glaubſt, der alte Baumann wohne

dort ganz allein und einſam, er iſt vielmehr verheira⸗

thet und hat auch eine faſt erwachſene Tochter. Das ändert die Sachlage allerdings bedeutend; aber

Guſtav vom See, Vor fünfzig Jahren. I. 2