Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
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oft jedoch dennoch vergeblich, die ſich zeigenden Unregelmä⸗ ßigkeiten des Gefühls durch die Arzeneien des Verſtandes wieder zu beſeitigen.

Eine ſolche objective Anſchauung und Behandlung unſeres Ichs erlangen jedoch nur Menſchen von ſogenann⸗ tem hervorragenden Geiſte, Frauen, bei denen das Ge⸗ fühlsleben immer überwiegend iſt, faſt nie, und unter den Männern auch nur die Auserwählten, die wir ſelbſt um dieſe Eigenſchaft, welche den Herven der Menſchheit eigen ift, wenig beneiden.

Margot ein faſt noch der Kindheit angehöriges junges Mädchen erlag daher eben ſo unbewutzt und willenlos ihrem Schmerze, wie ſie unbewußt den Zuſtand des Glückes empfunden hatte. Wehrings ließen ſie ge⸗ währen, ſie waren unbefangen und liebevoll gegen ſie und ſprachen oft und lange von dem Geſchiedenen, wohl er⸗ kennend, daß Margot's Herz ihm angehöre und es am beſten ſei, weder durch Schweigen noch durch Reden es ihr kund werden zu laſſen, daß man dieſes ihr ſelbſt noch verſchleierte Geheimniß längſt entdeckt habe.

Man machte keine Bemerkungen darüber, daß ſie die von ſeiner Hand geſchriebenen Notenhefte mit auf ihr Zimmer nahm und wie ein Heiligthum bewahrte; man ließ ſie oben ungehindert allein und freute ſich, als ſie nach einigen Tagen anfing, mit leiſer Stimme gegen Abend ſeine Lieblingslieder zu ſingen; man richtete keine Frage