Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
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liegt ihm ob, ſeinen Verſtand auszubilden, ſo weit es mög⸗ lich iſt und er es vermag, dazu hat er ihn erhalten.

Aber nicht auf Koſten ſeines Herzens oder ſeines Ge⸗ fühls, namentlich nicht das Weib, bei dem dieſe Kraft der Seele in erſter Reihe ſteht.

O, ich kenne dieſe Anſicht des ſogenannten ſtarken Ge⸗ ſchlechtes, welches Alles für ſich allein beanſprucht und das Weib zu einem untergeordneten Weſen herabſetzt— ja, ihr ſeid ſtark in der Ueberhebung Eures Selbſt— ſonſt aber— nun, ſprechen wir nicht weiter davon, ſagte ſie mit einem verächtlichen Kräuſeln ihrer Lippen, ich theile einmal dieſe Anſicht nicht, und Du wirſt Dich vergeblich bemühen, ſie mir aufzudringen.

Es iſt dies auch gar nicht meine Abſicht, ſagte er ruhig, aber Deine Empfindlichkeit beweiſ't nur, daß Du Dich im Unrechte fühlſt.

Ich bin durchaus nicht empfindlich, erwiederte ſie mit einem gezwungenen Lächeln, aber Du biſt weder mein Leh⸗ rer, noch mein Vormund, und ich werde daher leſen, was mir beliebt, und ohne Dich vorher um Erlaubniß zu bitten.

Davon bin ich vollkommen überzeugt, obgleich Du zugeben mußt, daß zwei Menſchen ſich doch gegenſeitig be⸗ ſtimmen können, ſo daß die Anſicht des einen mehr oder we⸗ niger der Maßſtab für die Handlungsweiſe des anderen