Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
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mehr ich es leſe, je mehr gefällt es mir, weil ich es immer beſſer verſtehe.— Gvoethe's„Fauſt“ iſt keine Lecture für junge Mädchen, ſagte er ernſt; Du ſollteſt Derartiges nicht leſen.

Derartiges? Wenn es nur noch Derartiges gäbe! Du weißt, Alfred, fuhr ſie dann ernſt fort, ich liebe Der⸗ artiges, das heißt ſolche Bemerkungen nicht. Ich bin alt genug, um mir meine Lecture ſelbſt wählen zu können, und halte es für ein albernes Vorurtheil, daß junge Mädchen nichts weiter leſen ſollen, als langweilige ſogenannte mo⸗ raliſche Erzählungen oder vielleicht fade Lafontaine'ſche Romane. Ihr Männer glaubt immer etwas Beſonderes vor uns voraus zu haben, Alles thun und laſſen zu dürfen, was Euch beliebt, während wir erſt gehorſam bei Euch an⸗ fragen ſollen, ob es uns erlaubt ſei, die beſten Werke un⸗ ſerer Dichter zu leſen, wenn die Dinge darin mit ihren Na⸗ men genannt werden und in ihrer wirklichen Geſtalt erſchei⸗ nen. Weshalb ſoll ich zum Beiſpiel den Fauſt nicht leſen?

Nun, da Du ihn bereits dreimal geleſen haſt, wirſt Du wenigſtens erkannt haben, daß Gretchens Geſchichte nicht für junge Mädchen geſchrieben iſt.

Für prüde oder alberne junge Mädchen nicht, da haſt Du Recht, aber für beſtändige und unbefangene eben ſo gut, wie für Euch. Was man darin nicht für junge Mäd⸗ chen paſſend findet, davon hören, das erfahren die jungen Mädchen ja in der Wirklichkeit doch zum Ueberfluß und