hochſtes Gut aus Deiner Hand empfangen, mein Bruder! bat Leo— und die blaſſe Wange Erwins erbleichte noch mehr— ſein truͤbes Auge ward truͤber. Er warf den kummervollen Blick auf die bleiche, zitternde Virginia, er ergriff bebend ihre, von Todesangſt gekaͤltete, zitternde
Hand, legte ſie ſchweigend in Leo's Rechte—
und wankte zur Thuͤr hinaus.
Leo's Entzuͤcken war unbegrenzt— Vir⸗ ginia raffte all' ihren Muth, ihre Kraft zuſam⸗ men, ſie duldete die ſtuͤrmiſchen Umarmungen Leo's— ſie kehrte mit ihm nach der Stadt zu⸗ ruͤck— ſie duldete, daß er ſie als ſeine Braut offentlich erklaͤrte, daß er in 4 Wochen die Ver⸗ maͤhlung feſt ſetzte— ſie zwang ſich ruhig, heiter zu ſeyn.— Doch— ſchon nach 3 Wochen ſtand Leo verzweifelnd am Sterbebette des geliebten Maͤdchens— Ihre Phantaſie verirrte ſich in truͤben ſchrecklichen Bildern— ſie fiel in ein hitziges Fieber, und der Tag, an welchem die Vermaͤhlung anberaumt war, brach ihr Auge, brach ihr Herz— ihre Pſyche entwand ſich der ſterblichen Huͤlle, und eilte hinauf, wo ihr ein ſchonerer Freudenkranz bluͤhte, als derjenige


