Teil eines Werkes 
2. Band (1828)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſie fuhr von ihrem Schloſſe herein in die Stadt zu ihrem Rechtsconſulenten, dem Hofrath Er⸗ win, meinem Vetter.

Antonie ſprach mit wenig Worten ihm ihr ungluͤck aus, aber ihr großes, ſeelenvolles Auge war beredeter, als ihre Lippen— ihre Hand ruhte waͤhrend des Sprechens auf dem blonden Lockenkopf ihres Kindes— ihre Wange er⸗ bleichte, ihr Auge fuͤllte ſich mit Thraänen, als ſie an deſſen huͤlfloſen Zuſtand gedachte; ihre Geſtalt hob ſich ſtolz und hoch empor, als ſie von eigener Armuth, von Einſchraͤnkung ſprach, welche ſie vornehmen wolle, um die Anſprüche der Glaͤubiger zu befriedigen.

Erwin lauſchte mit inniger Theilnahme ih⸗ rer Rede— er faßte, als ſie geendet, ihre Hand. Gnädige Frau, ſprach er, ich bin geruͤhrt von dem Vertrauen, daß Sie mir bezeigen; ich hoffe, Ihre Lage iſt nicht ſo ſchlimm, als Sie glauben— ich werde alle Papiere genau durch⸗ ſehen, ich denke, es wird ſich noch ſo Manches thun laſſen, um Allem ein guͤnſtiges Anſehen, einen leidlichen Ausgang zu verſchaffen. Zum Verkauf des Schloſſes Felsburg rathe ich jedoch ſelbſt—