Nonne knieend betete— indeß aus waldigem, dunklem Hintergrund rauhe Krieger vordrangen, und mit gezuckten Saͤbeln ſie und den Sterben⸗ den bedrohten— die edle Geſtalt eines jungen Offiziers gebot den Unbaͤndigen Ruhe.
Ich pruͤfte gedankenvoll den Sinn dieſes Gemaͤldes— der Sterbende hatte unverkennbare Aehnlichkeit mit dem lebensgroßen Bilde meines Freundes. Jetzt betrachtete ich die Nonne ge⸗ nauer, ihr Geſicht war nicht gerade ſchön zu nennen, doch gab der Kummer, welcher aus dem großen blauen Auge ſprach, die Angſt, die Theil⸗ nahme, die innige, heilige Zuverſicht, mit wel⸗ cher ſie betete, dieſen geiſtvollen Zuͤgen einen Ausdruck, eine Kraft, Lebendigkeit— daß man jeden Moment erwartete, ſie wuͤrde ſich erheben, und hinaustreten in das wirkliche Leben.
Das find Copien, ſagte ich mir leiſe, dieß iſt kein Phantafieſtuͤck eines Kuͤnſtlers— dieß iſt eine wirkliche Scene aus dem erſt kuͤrzlich geendeten Kriege! Richtig— da die Jahrzahl 1813, und der Name, Schloß Felsburg, das eine Stunde von hier dem damaligen Comman⸗
danten zum Aufenthalt diente. II.


