aufgelbſt— ich legte die Hand auf das ängſt⸗ lich⸗beklommene Herz— ich fuͤhlte mein Auge ſich von Thranen befeuchten— ich druckte einen leiſen, innigen Kuß auf das Bild.— O lebteſt Du, guter, frommer Menſch! ſagte ich ſo ſanft es mir moglich war. O lebteſt Du! Vermochte ich es, den Schmerz zu lindern, der Dein ſchö⸗ nes Herz brach! In dieſem Augenblicke ſchlug die Thurmuhr die Mitternachtsſtunde— die tie⸗ fen melancholiſchen Tone verhallten bebend in der lautloſen Stille der hellen Mondnacht— das langſame Verklingen der maͤchtig⸗ſtarken Tone mahnte mich an das ſtille Scheiden meines ver⸗ ewigten Freundes, und erfuͤllte mich mit leiſen Schauern— meine aufgeregte Phantaſie malte ſich ein Bild, das mir faſt zur täuſchenden Wirklichkeit ward. An Schlaf war gar nicht zu denken, und ich trat pruͤfend den andern Ge⸗ genſtänden im Zimmer naͤher.
Ueber dem Arbeittiſch hing ein Miniatur⸗ bild; ich nahm es von der Wand, um es genau zu betrachten.
Es ſtellte einen, in grauem Mantel gehuͤll⸗ ten, ſterbenden Menſchen vor, vor welchem eine


