Teil eines Werkes 
2. Band (1828)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Zt 15

Kerzen und eine Flaſche alten Rheinwein auf den Arbeitötiſch des Seligen, warf einen wehmuͤthi⸗ gen Blick auf das lebensgroße Bild deſſelben, das an der gegenuͤberſtehenden Wand hing und verließ mich, mir eine gute Nacht wuͤnſchend.

Ich war allein. Gedankenvoll ließ ich mein Auge umherſchweifen. Hier, dachte ich, hier hat er gelebt gewaltet ſo manche Freude genoſſen, ſo unendliche Wohlthaten geuͤbt! Sein ſchoͤnes ſtilles Leben war eine ununterbro⸗ chene Reihe edler, großmuͤthiger Handlungen ge⸗ weſen! Er hatte das hoͤchſte Gluͤck verdient, den reichſten Lohn fuͤr ſein fleckenlos⸗reines Ge⸗ muͤth! und dennoch brach ein graͤßlicher Schmerz das ſchoͤne Herz des edlen Mannes! Welch' ein Schmerz mag es geweſen ſeyn? fragt' ich mich ſinnend.

Ich trat vor das Bild. Die Wangen, die ich einſt ſo bluͤhend ſah, ſchienen mir jetzt vleichz das reine helle Auge von Kummer getruͤbt; um den feinen Mund ſchien ein tiefer Schmerz zu ſchweben das ſchoͤne, männliche Geſicht ſah mit ruͤhrender Schwermuth auf mich herab all' meine Freude hatte ſich in tiefe Wehmuth