— 260—
Nun ſey Theodor vor einigen Tagen mit des Miniſters Neffen angekommen, bei dieſem abgeſtiegen; die Nochricht aber von ſeiner Ge⸗ liebten bevorſtehender Vermählung habe ihn auf's Krankenlager geworfen, ein heftiges Fieber drohe ihn zu toͤdten; ſein letzter, einziger Wunſch ſey nur, Alwinen ein einziges Mal zu ſehen, um von ihr zu erfahren, ob ſie wirklich hoffe⸗ mit mir gluͤcklich zu werden. Dies habe er geſtern Hedwig gſcheben und dieſe die Freundin beſchworen, des geliebten Bruders letzten Wunſch zu erfüllen. Allein das Pflichtgefuͤhl füͤr mich, das Bewußtſeyn ihres unvermeidlichen Schickſals, die Schwaäche, deren ſie ſich nur zu gut bewußt ſey, habe ſie bis jetzt wankend in Entſchlüſſen gehalten.. und Sie haben Theodor wirklich nicht ge⸗ 6 ſehen, beſtes Maͤdchen? fragte ich; vermochten Sie es, dem Jugendgeliebten ſeine letzte Bitte abzuſchlagen?
Alwine lehnte ihr thrinenſeuchtes Angeſt icht auf meine Achſel. Ich habe ihn nicht geſehen, ſprach ſie mit kaum hörbaren Tönen— ſein Herz bricht vielleicht— vielleicht das meine
„


