Druckschrift 
Onkel Tom's Hütte / von Beecher-Stowe ; frei nach dem Englischen von A. Eltze
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Shelby ſaß in einem confortablen Zimmer an einem luſtig flackernden Hickoryfeuer. Ein Tiſch, der von Silbergeſchirr und geſchliffenen Gläſern bedeckt war, enthielt die Anord⸗ nungen für die Abendmahlzeit, über welche unſere Freundin, die alte Tante Chloe, die Aufſicht führte. Angethan mit einem neuen Kattunkleide, einer reinlichen, weißen Schürze und einem gutgeſtärkten Turban und mit Zufriedenheit ſtrahlendem Ge⸗ ſicht, machte ſie ſich noch um die Anordnungen der Tafel Et⸗ was zu ſchaffen, um dadurch mit ihrer Miſſis noch ein wenig plaudern zu können.

Ach, ob es ihm auch gut ſein wird? ſagte ſie,ich habe ſeinen Teller nahe an's Feuer geſetzt, wo er ſo gerne ſitzt. Mr. George verlangt immer den wärmſten Sitz. O, geh mir, warum hat Fally nicht die beſte Theekanne genommen die kleine, neue welche George von der Miſſis zu Weihnachten erhielt? Ich will ſie holen! Und die Miſſis hat von Maſter George gehört? ſagte ſie ausforſchend.

Ja Chloe, doch nur eine Zeile; ſie beſagt nur, daß er heute Abend kommen würde, wenn er kann dies iſt das Ganze.

Hat er nichts über meinen Alten geſagt? fragte Chloe, indem ſie noch immer an den Theetaſſen herumkramte.

Nein, er that es nicht. Er ſchrieb nichts davon, Chloe. Er ſchrieb nur, er würde Alles erzählen, wenn er nach Hauſe kommt.

Ja, dies ſieht Maſter George ähnlich! er will ſtets Alles ſelbſt erzählen. Ich habe das an Mr. George immer wahrgenommen. Ich kann gar nicht begreifen, wie die Weißen im Allgemeinen ſo viel ſchreiben können, wie ſie es thun das Schreiben iſt eine ſo langſame, unnöthige Arbeit.

Mrs. Shelby lächelte.

Ich denke, daß mein Alter die Jungen und das Kleine nicht wiedererkennen wird. Gott! ſie iſt das dickſte Mädchen nun, und gut und vernünftig dazu, die Polly. Sie iſt zu Hauſe und backt Waffeln. Es iſt gerade die Speiſe, die mein Alter liebt und ich habe ſie ihm an jenem Morgen, wo er fortgeſchleppt wurde, gebacken. Gott vergebe mir, was ich an dieſem Morgen gefühlt habe!

Mrs. Shelby ſeufzte und fühlte bei dieſer Erwähnung eine ſchwere Laſt auf ihrem Herzen. Seit dem Eintreffen des Briefes fühlte ſie ſchon eine Unruhe, denn ſie fürchtete, daß hinter dem Schweigen etwas verborgen läge.