wenn er gewann. Er bog ruhig ſeine Karten ſcheinbar ohne ir⸗ gend eine Empfindung für den Wechſel des Spiels. Sein fein geſchnittenes Geſicht war bleich, aber es trug nicht jene krankhafte Bläſſe, welche durch ein wüſtes Leben erzeugt wird. Heldreich nahm an dem jungen Manne, den, wie ihn ſelbſt, nur ein Zu⸗ fall an dieſen Ort verſchlagen haben konnte und der in dieſem Augenblick ſicherlich das Opfer einer Spielerbande wurde, ein lebendiges Intereſſe.
Herr Theudobald Laur lächelte, als ihm Heldreich ſeine Ge⸗ danken mittheilte.„Sie geben ſich einer Täuſchung hin, mein geehrter Herr Heldreich,“ entgegnete er,„einer Täuſchung, welche Ihrem edeln Herzen Ehre macht. Sehen Sie dort das Laſter des Spiels in ſeiner fürchterlichſten Geſtalt. Spielen Sie nie Karten! Jener junge Mann iſt ein Baron, der ſein ganzes Ver⸗ mögen verſpielt hat und jetzt davon lebt, jene Kerls zu betrügen! — Preiſen Sie ſich glücklich, daß Sie einen wahren Freund ge⸗ funden haben, der Sie beim erſten Eintritt in dieſe Laſterhöhle vor den Fallſtricken des Böſen warnt.— Aber trinken Sie, Freund, trinken Sie! Lene, neue Seidel!“
Die friſchen Seidel kamen und wurden getrunken, um aufs Neue eingeſchenkt zu werden; aber Herr Theudobald Laur wartete vergebens auf ein Zeichen von Trunkenheit bei ſeinem Schützling. War doch ihm ſelbſt ſchon das Bier zu Kopfe geſtiegen und doch übte das ſtarke Getränk nicht den geringſten Einfluß auf die kräf⸗ ¹ tige Natur des jungen Studenten. 1 Herr Fiſcher ſchaute mißmuthig vor ſich nieder, Referendar Bombelitz gab deutliche Zeichen von Ungeduld,— wie lange ſollte er warten, ehe er zum Ziele kam. Laur entſchloß ſich endlich, einen kühnen Verſuch zu machen; er nickte ſeinem Freund Fiſcher bedeutungsvoll zu. Dieſer lehnte ſich gähnend im Stuhle


