weiter, ohne ſich um ſeinen Begleiter zu kümmern. Durch die kurze Antwort hoffte er ſich von einer weiteren Zudringlichkeit befreit zu haben.— Er täuſchte ſich, denn der Fremde war über jede zu zarte Empfindlichkeit erhaben, er ließ ſich durch eine ein⸗ fache Zurückweiſung nicht abſchrecken, ſondern ſetzte ſeinen Weg neben dem jungen Wanderer fort, indem er zugleich mit unglaub⸗ licher Zungenfertigkeit ein Geſpräch begann.
„Es iſt merkwürdig,“ ſagte er,„daß man einen Fremden ſofort von einem geborenen Großſtädter unterſcheidet, höchſt merk⸗ würdig! Ich habe ein Intereſſe an jedem Fremden! Verkennen Sie mich nicht, mein Herr, kein ſelbſtfüchtiges Intereſſe, im Ge⸗ gentheil, Gefühle der reinſten Humanität!— Ich erinnere mich dann ſtets noch der Zeit, in der ich ſelbſt fremd nach Berlin kam.— Ja, mein Herr, Sie ſchauen mich verwundert an, Sie glauben, ich müßte ein geborener Großſtädter ſein. Richt wahr, das meinen Sie?“
„Das könnte ich nicht ſagen. Ich meine gar nichts!“ ent⸗ gegnete Heldreich trocken.
„Nicht? Merkwürdig! Aber wie ich geſagt, ich bin ein Kind der Provinz.— Ich habe traurige Erfahrungen gemacht, mein Herr, ſehr traurige Erfahrungen!— Ein argloſer Jüngling zog ich ein in die Stadt! aber ich bin ſchmählich betrogen worden. Mein unſchuldiges Gemüth wurde vergiftet, meine zarteſten Ge⸗ fühle wurden verletzt,— mit einem Worte, ich kam in ſchlechte Geſellſchaft;— aber verkennen Sie mich nicht, mein Herr!— ich bin nicht untergegangen in derſelben, ich habe ſtets meine männliche Würde bewahrt!“— Er richtete ſich bei dieſen Worten höher auf und zog den Hut tiefer in's Geſicht, um ſich einen möglichſt edlen Anſtrich zu geben, denn edle Männer trugen nach ſeiner Anſicht ſtets den Hut tief im Geſicht.—


