Vor ihm lag die im glänzenden Lichte vieler Tauſend Gas⸗ flammen ſtrahlende Hauptſtraße, durch deren Baumreihen ſich ein Strom von Spaziergängern drängte.— Ze weiter Heldreich vor⸗ wärts ſchritt, je mehr befreite er ſich von dem Druck, den der erſte Augenblick auf ihn ausgeübt hatte.— Sein friſcher, kecker Sinn hob ihn ſchnell über die beängſtigenden Zweifel und bald genug ſchaute er forſchend und neugierig um ſich, alle die neuen Eindrücke begierig in ſich aufnehmend.— Er hatte die um ihn her wogende Menſchenmenge vergeſſen und kümmerte ſich um die⸗ ſelbe ſo wenig, als dieſe ſich um ihn. Er war ſchon einige hun⸗ dert Schritte vorwärts gegangen, als ſich ihm ein elegant ge⸗ kleideter Herr, der ihn einige Augenblicke prüfend betrachtet hatte,
zugeſellte.
„Sie ſind zum erſten Male in der Hauptſtadt, mein Herr?“ fragte der Fremde verbindlich, indem er leicht den Hut lüftete und dann neben Heldreich herging, als verſtehe ſich das von ſelbſt.
Heldreich ſchaute den Frager überraſcht an;— er muſterte denſelben mit ſcharfen Blicken, aber er wurde keineswegs beſon⸗ ders befriedigt durch das Reſultat ſeiner Prüfung.— Der Fremde war ein noch ziemlich junger Mann mit einem blaſſen verlebten Geſicht. Er trug ſich zwar mit ausgeſuchter Eleganz, aber in ſeinem ganzen Weſen, in jeder ſeiner Bewegungen lag ein gewiſ⸗ ſes Etwas, welches ſagte, daß die Kleidung eine geborgte ſei, daß ſie nicht zu dem wirklichen Stande des Mannes paſſe; ſelbſt die Manier, mit der er den an einer goldenen Kette herunter⸗ hängenden Augenkneifer bald in's rechte Auge klemmte, bald affer⸗ tirt fallen ließ, war ungeſchickt und gemacht.— So unbehaglich ſich Heldreich auch noch vor wenigen Minuten in ſeiner Einſam⸗ keit befunden hatte, dieſer Geſellſchafter paßte ihm dennoch nicht, er erwiderte daher nur ein kurzes, ſcharfes„Ja!“ und ſchritt
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