323
Sache, die leicht genommen, vertheidigt oder mit Schweigen übergangen werden kann? Ihr Farmer von Maſſachuſetts, von New⸗Hampſfhire, von Vermont, von Connecticut, die Ihr dies Buch bei dem Scheine Eurer Abendfeuer leſet;— Ihr ſtarkherzigen und edelmüthigen Seeleute und Schiffseigner von Maine, iſt dies für Euch eine Sache der Unterſtützung und Ermuthigung? Ihr braven, edlen Männer von New⸗York, Ihr Farmer des reichen und heitern Ohio, und Ihr aus den weiten Prairien⸗Staaten, antwortet mir, iſt dies für Euch eine Sache, die Ihr unterſtützen und befördern müßt? Und Ihr, Mütter Amerika's, die Ihr an der Wiege Eurer eignen Kinder gelernt habt, für die ganze Menſch⸗ heit zu fühlen; bei der heiligen Liebe, die Ihr für Euer Kind hegt; bei Eurer Freude an ſeiner herrlichen, fleckenloſen Kindheit; bei der mütterlichen Theil⸗ nahme und Zärtlichkeit, mit der Ihr ſein Wachsthum überwachet; bei Eurer Sorge für ſeine Erziehung; bei den Gebeten, die Ihr für ſein ewiges Seelenheil zum Himmel ſendet,— flehe ich Euch an, habt Mitleid mit der Mutter, welche alle Eure Neigungen hat und nicht ein geſetzliches Recht, das Kind ihres Bu⸗ ſens zu beſchützen, zu leiten oder zu erziehen! Bei den Krankenſtunden Eures Kindes; bei den im Tode brechenden Augen, die Ihr nie vergeſſen könnt; bei dem Schrei, der ſich Eurer Bruſt entrang, wenn Ihr weder retten noch helfen konntet; bei der Verzweiflung über den Anblick der leeren Wiege, des öden Krankenzim⸗ mers, beſchwöre ich Euch, habt Mitleid mit den Müttern, welche durch den ame⸗ rikaniſchen Sklavenhandel fortwährend kinderlos gemacht werden! Und ſagt, Ihr Mütter Amerika's, iſt das eine Sache, die vertheidigt, gebilligt, mit Still⸗ ſchweigen übergangen werden kann?
Sagt Ihr, die Bewohner der freien Staaten hätten damit nichts zu ſchaffen und könnten darin nichts thun? Wollte Gott, dem wäre ſo! Aber es iſt nicht wahr. Die Bewohner der freien Staaten haben ſie vertheidigt, ermuthigt, Theil daran genommen, und ſind deshalb vor Gott eben ſo ſchuldig, als der Süden, weil ſie niccht die Entſchuldigung der Erziehung und Gewohnheit für ſich haben.
Wenn die Mütter der freien Staaten in vergangenen Zeiten alles das gefühlt hätten, was ſie fühlen ſollten, ſo würden die Söhne der freien Staaten nicht Sklavenbeſitzer und ſprichwörtlich die härteſten Herren geweſen ſein; die Söhne der freien Staaten würden dann nicht zur Ausbreitung der Sklaverei in unſerem Nativnalkörper beigetragen haben; die Söhne der freien Staaten würden dann nicht, wie ſie dies thun, die Seelen und Körper von Menſchen bei ihrem Handels⸗ verkehr als ein Aequivalent des Geldes betrachten. Kaufleute in nördlichen Städten beſitzen für einige Zeit eine Menge Sklaven, die ſie dann wieder ver⸗ kaufen; darf alſo die ganze Schuld an der Schmach der Sklaverei nur auf den Süden fallen?
Die Männer, Mütter und Chriſten des Nordens haben Nöthigeres zu thun, Brüder des Südens anzuklagen: ſie haben vor ihrer eignen Thür
u kehren.
Doch was kann ein Einzelner thun? Darüber kann jeder Einzelne urthei⸗ len. Eines aber kann jeder Einzelne thun; er kann darauf ſehen, d aß man rechtfühle. Eine Atmoſphäre ſympathetiſchen Einfluſſes umgiebt jedes In⸗ dividuum: und der Mann oder die Frau, welche über die großen Intereſſen der Menſchheit ſtark, geſund und recht denken, ſind fortwährende Wohlthäter des Menſchengeſchlechtes. Man achte daher auf ſeine Sympathien in dieſer Ange⸗ legenheit. Sind ſie in Uebereinſtimmung mit den Sympathien Chriſti, oder ſind ſie durch die Sophiſtereien weltlicher Politik irre geleitet und verderbt?
Chriſtliche Männer und chriſtliche Frauen des Nordens, Ihr könnt noch etwas thun: Ihr könnt beten. Glaubt Ihr an die Kraft des Gebetes, oder 2 ½


