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Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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44. Schlußbemerkungen.

Die Verfaſſerin iſt oft aus verſchiedenen Theilen des Landes hrieflich ge⸗ fragt worden, ob dieſe Erzählung wahr ſei; auf dieſe Fragen will ſie hier eine allgemeine Antwort geben.

Die einzelnen Ereigniſſe, welche die Erzählung bilden, ſind in großer Aus⸗ dehnung authentiſch, und viele derſelben trugen ſich entweder unter ihren eignen Augen oder unter denen ihrer perfönlichen Freunde zu. Sie oder ihre Freunde haben Charaktere beobachtet, welche faſt allen denen gleichen, die hier eingeführt ſind; viele ihrer Geſpräche ſind Wort für Wort ſo, wie ſie ſelbſt ſie hörte oder ſie ihr mitgetheilt wurden.

Die Perſon Eliza's und der ihr beigelegte Charakter ſind Schilderungen

aus dem Leben. Die unbeſtechliche Treue, Frömmigkeit und Redlichkeit Onkel Tom's ſind Eigenſchaften, welche die Verfaſſerin mehr als einmal zu beobachten Gelegenheit hatte. Einige der traurigſten und romantiſchſten Ereigniſſe, einige der fürchterlichſten Umſtände, gehören ebenfalls der Wirklichkeit an. Das Er⸗ lebniß der Mutter, welche über das Eis des Ohiofluſſes ging, iſt eine wohlbe⸗ kannte Thatſache. Die Geſchichte der alten Prue trug ſich unter der perſönlichen Beobachtung eines Bruders der Verfaſſerin zu, der damals Caſſirer eines großen Handlungshauſes in Neu⸗Orleans war. Aus derſelben Quelle wurde der Eharakter des Pflanzers Legree geſchöpft. Von ihm ſchrieb ihr Bruder als er von einem Beſuche auf ſeiner Pflanzung zum Behuf der Einziehung von Gel⸗ dern ſprach:Er ließ mich ſeine Fauſt fühlen, die hart war, wie ein Schmiede⸗ hammer, und ſagte mir, er hätte ſie dadurch gehärtet, daß er Niggers damit niedergeſchlagen. Als ich die Pflanzung verließ, athmete ich tief auf, und es war mir zu Muthe, als wäre ich der Höhle eines Währwolfs entflohen.

Daß das tragiſche Schickſal Tom's in der Wirklichkeit auch oft vorkam, kann durch lebende Zeugen im ganzen Lande beſtätigt werden. Man bedenke, daß es in allen ſüdlichen Staaten ein Rechtsgrundſatz iſt, daß keine farbige Per⸗ ſon jemals in einem Proeeſſe gegen einen Weißen zeugen kann, und leicht wird man einſehen, daß ein ſolcher Fall ſich überall ereignen kann, wo die Leiden⸗ ſchaften eines Menſchen die Rückſichten auf ſeinen Vortheil überwiegen und ein Sklave genug Muth oder Grundſätze hat, um ſeinem Willen zu widerſtehen. Es giebt in der That nichts, was das Leben des Sklaven beſchützen kann, als der Charakter des Herrn. Thatſachen, die zu erſchütternd ſind, um nicht gelegentlich in Erwägung gezogen zu werden, finden ihren Weg in die Oeffent⸗ lichkeit, und die Bemerkungen, die man oft darüber machen hört, ſind noch nie⸗ derſchlagender als die Sache ſelbſt. Es wird geſagt:Wohl mögen ſolche Fälle dann und wann vorkommen, aber ſie ſind kein Beieg für die allgemeine Praris. Wenn die Geſetze von Neu⸗England ſo beſchaffen wären, daß ein Lehrherr dann und wann einen Lehrling bis zum Tode martern könnte, ohne die Möglichkeit, deshalb vor Gericht geſtellt zu werden, würde man dies mit eben ſolchem Gleichmuth hinnehmen? Würde man ſagen: Dieſe Fälle ſind ſelten und kein Beleg der allgemeinen Praris? Dieſe Ungerechtigkeit iſt eine Ei⸗ gen thümlichkeit des Sklavenſyſtems und kann ohne daſſelbe nicht exiſtiren.

er öffentliche und ſchamloſe Verkauf reizender Mulatten⸗ und Quadronen⸗ mädchen iſt durch die Ereigniſſe, welche auf die Wegnahme derPerle folgten, notvriſch erwieſen worden. Wir entnehmen das Folgende der Rede des Mr. Horace Mann, eines der geſetzlichen Rathgeber für die Vertheidiger jener Sache. Er ſagt:Unter den 76 Perſonen, welche 1848 aus dem Diſtrikt Cv⸗ lumkia auf dem SchvonetPerle zu entfliehen verſuchten und deren Führer

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