Eine Zeitlang herrſchte tiefe Stille und Alle weinten zuſammen. Endlich ſetzte ſich George neben der Trauernden nieder, ergriff ihre Hand und theilte ihr mit einfachen Worten die feierliche Scene des Todes ihres Gatten und ſeine letzten Liebesaufträge mit.
Etwa einen Monat darauf wurden fämmtliche Diener und Arbeiter des Gutes in den großen Saal des Hauſes berufen, wo ihnen ihr junger Herr einige Worte mittheilen wollte.
Zu Aller Erſtaunen trat er mit einem Bündel von Papieren in der Hand, welches Freilaſſungsſcheine für ſämmtliche auf dem Gute befindliche Sklaven enthielt, unter ſie, verlas die Dokumente und überreichte ſie den ſchluchzenden und weinenden Leuten.
Viele von dieſen drängten ſich jedoch um ihn, baten ihn flehendlich fie nicht fortzuſchicken, und wollten ihm ihre Freiſcheine zurückgeben.
„Wir wollen nicht freier ſein als wir ſind. Wir haben ſtets Alles gehabt, was wir brauchten, wir wollen das alte Haus, den Maſter und die Miſſis nicht verlaſſen,“ äußerte ſie.
„Meine guten Freunde,“ ſagte George ſobald er zu Worte kommen konnte, „es wird nicht nothwendig ſein, daß Ihr mich verlaßt. Wir brauchen zur Be⸗ ſtellung des Gutes noch eben ſo viele Leute wie ſonſt. Auch im Hauſe ſind noch eben ſo viele Diener nöthig wie früher, aber Ihr ſeid jetzt freie Leute; ich werde Euch für Eure Arbeit den Lohn bezahlen, über den wir uns einigen. Der Vor⸗ theil, den Ihr dabei habt iſt der, daß Ihr, wenn ich in Schulden gerathen oder ſterben ſollte, was Beides mögliche Dinge ſind, nicht verkauft werden könnt. Ich gedenke das Gut fort zu bewirthſchaften und Euch etwas zu lehren, zu deſſen Erlernung Ihr einiger Zeit bedürfen werdet,— wie man nämlich die Rechte, die ich Euch verliehen habe, als freie Menſchen benutzt. Ich erwarte, daß Ihr gut und lernbegierig ſein werdet und hoffe zu Gott, daß ich meinem Vorſatze getreu und zum Lehren bereitwillig bleiben werde. Und nun, meine Freunde ſchaut empor und dankt Gott für die Segnungen der Freiheit.“
Ein greiſer Negerpatriarch, der auf dem Gut alt und blind geworden war, ſtand jetzt auf, erhob ſeine zitternde Hand und ſagte:„Laſſet uns dem Herrn danken!“ Alle fielen auf ihre Knie und kein von Orgelklängen, Glockengeläute und Kanonendonner getragenes Te deum konnte rührender zum Himmel einpor⸗ ſteigen, als das von dieſem alten Manne geſprochene Gebet.
„Noch Eins,“ ſagte George, die Dankesbezeugungen der Menge unter⸗ brechend,„IhrAlle werdet Euch wohl unſeres guten alten Onkel Tom erinnern?“ Hierauf erzählte er in Kürze die letzten Augenblicke des Geſchiedenen, und theilte tette Lebewohl an Alle auf dem Gute Befindlichen mit, worauf er
inzufügte:
„An ſeinem Grabe war es, meine Freunde, wo ich vor Gott den Beſchluß faßte, nie mehr einen Sklaven zu halten, ſo lange es möglich wäre, ihn in Frei⸗ heit zu ſetzen, und keinen durch mich je Gefahr laufen zu laſſen, von Heimath und Freunden getrennt zu werden und, wie er, auf einer einſamen Pflanzung zu ſterben. Wenn Ihr Euch an Eurer Freiheit erlabt, ſo bedenkt, daß Ihr ſie jenem guten alten Mann verdankt und vergeltet es ihm durch Güte gegen ſeine Frau und Kinder. Denkt jedesmal, wenn Ihr Onkel Tom's Hütte erblickt, an Eure Befreiung und betrachtet ſie als Erinnerungszeichen, damit Ihr ſeinen Fußtapfen folgen und eben ſo rechtſchaffen und treu und eben ſo gute Chriſten werden möget, wie er einer war.“


