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Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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Republik eine Republik, gebildet durch auserleſene Männer, welche durch Kraft und ſelbſtbildende Entſchloſſenheit ſich in vielen Fällen individuell über den Zuſtand der Sklaverei erhoben haben. Nachdem ſie manchen vorbe⸗ reitenden Grad der Schwäche durchgemacht, iſt dieſe Republik endlich eine von der ganzen Erde anerkannte Nation geworden, anerkannt durch Frankreich und England. Dahin wünſche ich zu gehen und ſelbſt ein Volk zu finden.

Ich weiß wohl, daß ich Euch Alle gegen mich haben werde, doch ehe Ihrmich verurtheilt, hört mich an. Während meines Aufenthalts in Frankreich habe ich mit dem größten Intereſſe die Geſchichte meines Volkes in Amerika verfolgt. Ich habe den Kampf zwiſchen Abolitioniſten und Coloniſationiſten geprüft und als ferner Zuſchauer einige Eindrücke empfangen, die als Theilnehmer nie mög⸗ lich geweſen wären. Ich gebe zu, daß dieſes Liberia alle Arten von Zwecken be⸗ günſtigt haben mag, indem ſie in den Händen unſerer Unterdrücker gegen uns an⸗

ewendet wurde. Ohne Zweifel mag das Syſtem auf nicht zu rechtfertigende

eiſe als Mittel zur Verzögerung unſerer Emancipation benutzt worden ſein, aber ich frage: Giebt es nicht einen Gott, der über alle menſchlichen Pläne er⸗ haben iſt? Kann er nicht ihre Abſichten beherrſcht und für uns durch ſie eine Nation gegründet haben?

In unſeren Zeiten wird eine Nation in einem Tage geboren. Eine Na⸗ tion erhebt ſich jetzt mit all den großen Problemen des republikaniſchen Lebens und der Civiliſation fertig zur Hand, ſie hat ſie nicht zu entdecken, ſondern nur anzuwenden. Laßt uns daher mit ganzer Kraft zuſammenhalten und ſehen, was wir mit dieſer neuen Unternehmung vermögen, ſo wird der ganze Continent Afrika's ſich uns und unſern Kindern öffnen. Unſere Nation wird die Fluth der Civiliſation und des Chriſtenthums über ſeine Küſten ergießen und mächtige Republiken begründen, die mit der Schnelligkeit tropiſcher Vegetation wachſend für alle kommenden Zeitalter beſtehen werden.

Sagen Sie, daß ich meine in Sklaverei gefeſſelten Brüder verlaſſe? Ich glaube nicht. Wenn ich ſie eine Stunde, einen Augenblick meines Lebens ver⸗ geſſe, ſo möge Gott mich vergeſſen! Doch was kann ich hier für ſie thun? Kann ich ihre Ketten brechen? Nein, ich als Einzelner vermag dies nicht, doch laſſen Sie mich gehen und einen Theil einer Nation bilden, welche eine Stimme in dem Rathe der Nationen haben wird, und dann können wir ſprechen. Eine Nation hat das Recht, die Sache ihres Stammes zu vertreten und Vorſtellun⸗ gen zu machen, welches ein Individuum nicht hat.

Wenn Europa jemals ein großer Rath freier Nationen wird wie ich zu Gott hoffe, wenn dort Leibeigenſchaft und alle ungerechte und bedrückende ſo⸗ ciale Ungleichheiten beſeitigt werden; wenn, wie von Seiten Frankreich's und England's, unſere Stellung anerkannt wird, dann werden wir bei dem großen Congreſſe der Nationen unſere Sache anbringen und für unſern in Ketten ge⸗ ſchlagenen und leidenden Stamm ſprechen; und das freie aufgeklärte Amerika wird dann ohne Zweifel wünſchen, von ſeinem Wappenſchilde den ſchmachvollen Flecken zu vertilgen, der ihn unter den Nationen herabſetzt und gewiß für das Land eben ſo ein Fluch iſt, wie für die Geknechteten.

Sie werden mir ſagen, unſer Stamm habe gleiche Rechte, ſich unter die Bewohner der amerikaniſchen Republik zu miſchen, wie die Irländer, die Deut⸗ ſchen, die Schweden. Zugeſtanden, er hat ſie; wir ſollten frei ſein, uns mit ihnen zu vermiſchen und durch unſern individuellen Werth zu erheben, ohne Rückſicht auf Stamm oder Farbe, und die, welche uns dieſes Recht verweigern, ſind falſch gegen ihre eignen Grundſätze der Gleichheit aller Menſchen. Wir ſollten beſonders hier zugelaſſen werden. Wir haben mehr, als die Rechte