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Leſens und Schreibens anzueignen, veranlaßte ihn immer noch, ſeine ganze Mußezeit der Selbſtausbildung zu widmen.
Jetzt ſehen wir ihn am Tiſche ſitzen und aus einem Bande der Familien⸗ bibliothek, in welchem er geleſen hat, Notizen machen.
„Komm, George,“ ſagte Eliza,„Du biſt den ganzen Tag nicht zu Hauſe geweſen; lege Dein Buch hin und laß uns von etwas Vernünftigem reden, während ich den Thee bereite.“
Und die kleine Eliza unterſtützt das Verlangen ihrer Mutter, indem ſie zu ihrem Vater heranſchwankt, ihm das Buch aus der Hand nimmt und ſich ſtatt deſſen auf ſeinem Schvoße niederzulaſſen verſucht.
„Warte, Du kleine Here!“ ſagt George, und er giebt nach, wie es unter ſolchen Umſtänden der Mann ſtets thun muß.
„Das iſt recht,“ verſetzt Eliza, während ſie das Brod anſchneidet. Sie fieht etwas älter und ihre Geſtalt ein wenig voller aus; auch ihr Haar iſt ma⸗ tronenhafter geordnet wie ſonſt, aber offenbar iſt ſie ſo glücklich und zufrieden, wie es eine Frau nur immer ſein kann.
„Harry, mein Junge, wie haſt Du heute Dein Erempel herausgebracht?“ fragte George, indem er die Hand auf den Kopf ſeines Sohnes legte.
Harry hat ſeine Locken eingebüßt, aber er kann die Augen und Wimpern und die kühne offne Stirn nicht verlieren, welche vom Stolz geröthet wird als er ſagt:
636 habe das Ganze ſelbſt gerechnet, Vater, es hat mir kein Menſch dabei geholfen.“
„Das freut mich,“ ſagt ſein Vater;„verlaſſe Dich immer auf Dich ſelbſt, mein Sohn, Du haſt beſſere Ausſichten als ſie Dein armer Vater je beſeſſen hat.“
In dieſem Augenblicke klopft es an der Thür und Eliza geht hinaus, um zu öffnen. Das entzückte:„Ei, Sie ſind's!“ ruft ihren Gatten herbei und der gute Paſtor von Amherſtberg wird bewillkommnet. Bei ihm befinden ſich zwei Damen und Eliza ladet ſie ein ſich niederzuſetzen.
Nun hatte, wenn wir die Wahrheit geſtehen ſollen, der brave Pfarrer ein kleines Programm entworfen, nach welchem ſich dieſe Angelegenheit entwickeln ſollte und auf dem Herwege hatten Alle einander auf das Vorſichtigſte ermahnt, die Sache nur der getroffenen Verabredung gemäß einzuleiten.
Man denke ſich daher die Beſtürzung des guten Mannes als gerade nach⸗ dem er den Damen zu Stühlen verholfen hatte und ſein Taſchentuch herauszog, um ſich den Mund zu wiſchen, damit er ſeine Einleitungsrede in guter Ordnung halten könne, Madame de Thour den ganzen Plan über den Haufen warf, in⸗ dem ſie George um den Hals fiel und Alles auf einmal herauskommen ließ, in⸗ dem ſie rief:„
„„H George, kennſt Du mich nicht mehr? Ich bin Deine Schweſter Emilie!“
Caſſy hatte ſich gefaßter niedergeſetzt und würde ihre Rolle ſehr gut ge⸗ ſpielt haben, wenn nicht plötzlich vor ihr die kleine Eliza, ganz in derſelben Ge⸗ ſtalt und Form und in jedem Umriſſe und Löckchen gerade ſo wie ihre Tochter zur Zeit, wo ſie ſie das letztemal geſehen, erſchienen wäre. Das kleine Ding lugte ihr in's Geſicht und Caſſy ſchloß ſie in ihre Arme, drückte ſie an die Bruſt und ſagte, was ſie in dieſem Augenblicke auch wirklich glaubte:
„Herzkind, ich bin Deine Mutter!“
In der That war es eine ſchwierige Aufgabe, eine gewiſſe Ordnung herzu⸗ ſtellen. Dem guten Geiſtlichen gelang es jedoch endlich, Alle zum Schweigen zu bringen und die Rede, mit der er die Angelegenheit zu eröffnen beabſichtigt


