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Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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den Grund der Ohnmacht Caſſy's nicht errathen konnten, erregte ſie doch den in ſolchen Fällen gewöhnlichen Tumult. George warf in der Wärme ſeiner Hu⸗ manität einen Waſſerkrug um und zerbrach zwei Gläſer, und ſobald die Damen in der Kajüte hörten, daß Jemand ohnmächtig geworden ſei, drängten ſie ſich um die Thür des Privatverſchlags und verſperrten der friſchen Luft ſo viel ſie nur immer konnten den Zutritt, ſo daß im Ganzen Alles, was ſich erwarten ließ, gethan wurde.

Die arme Caſſy kehrte, nachdem ſie wieder zu ſich gekommen war, ihr Ge⸗ ſicht gegen die Wand und weinte und ſchluchzte wie ein Kind. Vielleicht ver⸗ mögen die Mütter unter meinen Leſern zu ſagen, woran ſie dachte. Vielleicht können ſie es auch nicht, aber ſie war in jener Stunde eben ſo feſt überzeugt, daß Gott mit ihr Erbarmen ſtn und daß ſie ihre Tochter wiederſehen würde, als ſie es einige Monate darauf doch wir greifen dem Laufe der Ereigniſſe vor.

42. Neſultate.

Die letzten Ereigniſſe unſerer Geſchichte laſſen ſich in der Kürze erzählen.

George Shelby, den, wie es vielleicht bei jedem andern jungen Mann der Fall geweſen ſein würde, das Romantiſche des Ereigniſſes intereſſirte und der nicht weniger von Gefühlen der Humanität dazu bewogen wurde, überſendete Caſſy den Eliza betreffenden Kaufbrief, deſſen Datum und Name mit ihrer Kenntniß von den Umſtänden übereinſtimmten und ihr keinen Zweifel an der Identität ihres Kindes ließen; es war jetzt nur noch nöthig, den Weg, welchen die Flüchtlinge eingeſchlagen hatten, zu erforſchen.

Sie begab ſich mit der durch die eigenthümliche Aehnlichkeit ihrer Schick⸗ ſale an ſie geknüpften Madame de Thour ſofort nach Canada und begann eine Unterſuchungsreiſe nach den verſchiedenen Stationen, wo die zahlreichen Flücht⸗ linge aus den Sklavenſtaaten untergebracht ſind. In Amherſtberg fanden ſie den Miſſionair, bei welchem George und Eliza bei ihrer Ankunft ein Obdach

efunden, und durch ihn wurden ſie in den Stand geſetzt, der Familie bis nach ontreal zu folgen.

George und Eliza befanden ſich jetzt ſeit fünf Jahren in Freiheit. George p fortwährende Beſchäftigung in der Werkſtätte eines wackern Maſchinen⸗

auers gefunden, in welcher er einen hinlänglichen Verdienſt fand, um den Lebensunterhalt ſeiner Familie, die ſich unterdeſſen durch die Ankunft eines Töchterchens verſtärkt hatte, zu erwerben.

Der kleine Harry, der zu einem hübſchen, munteren Burſchen aufgewachſen war, beſuchte eine gute Schule und machte ſchnelle Fortſchritte im Wiſſen.

Der wackere Pfarrer der Station Amherſtberg, wo George bei ſeiner An⸗ kunft gelandet war, nahm an den Angaben Caſſy's und der Madame de Thour ſo großes Intereſſe, daß er den Bitten der Letzteren, ſie auf der Reiſe nach Montreal, deren Koſten ſie allein tragen wollte, zu begleiten, nachgab.

Wir treten jetzt in ein kleines, nettes Häuschen in einer der Vorſtädte von Montreal. Es iſt Abend. Im Kamin lodert ein munteres Feuer, ein mit einem ſchneeweißen Tuche gedeckter Theetiſch ſteht für die Abendmahlzeit hergerichtet, davor. In der einen Ecke des Zimmers befindet ſich ein mit grünem Tuche über⸗ zogener Tiſch, auf welchem ein offenes Schreibzeug, Federn und Papier liegen, und über demſelben hängt ein mit guten Büchern angefülltes Regal.

Dies war George's Studirzimmer. Derſelbe Eifer ſich auszubilden, welcher ihn angetrieben hatte, mitten unter Hinderniſſen ſich die erſehnte Kenntniß des