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„Allerdings,“ erwiderte George, über ihr Benehmen ziemlich erſtaunt. „Wiſſen Sie, ob er— vielleicht haben Sie gehört, daß er— einen Mu⸗ latten, Namens George, beſitzt?“
„O gewiß— George Harris— ich kenne ihn recht gut; er hat eine Die⸗ nerin meiner Mutter geheirathet, iſt aber nach Canada entflohen.“
„Wirklich!“ rief Madame de Thour lebhaft;„Gott ſei Dank!“
George machte ein überraſchtes fragendes Geſicht, ſagte aber nichts.
Madame de Thour ſtützte den Kopf auf die Hand und brach in Thränen aus
„Er iſt mein Bruder,“ ſagte ſie.
„Wie?“ rief George mit dem höchſten Erſtaunen.
„Ja!“ wiederholte Madame de Thour, indem ſie ſtolz den Kopf erhob und ihre Thränen trocknete;„ja, Mr. Shelby, George Harris iſt mein Bruder.“
„Ich bin wahrhaft überraſcht,“ ſagte George, indem er ſeinen Stuhl einige Fuß zurückſchob und Madame de Thour feſt anſah.
„Ich bin nach dem Süden verkauft worden, als er noch ein Knabe war,“ fuhr ſie fort.„Ich wurde von einem guten, edelmüthigen Manne gekauft, der mich mit nach Weſtindien nahm, mir die Freiheit gab und mich heirathete. Er iſt erſt vor Kurzem geſtorben, und ich war im Begriff, nach Kentucky herauf zu kommen, um zu ſehen, ob ich meinen Bruder finden und loskaufen kann.“
„Ich habe ihn von einer Schweſter, Namens Emilie, die nach dem Süden verkauft worden iſt, ſprechen hören.“
„Dieſe Schweſter bin ich,“ antwortete Madame de Thour.„Sagen Sie mir was für ein—“
„Er war trotz des auf ihn laſtenden Fluches der Sklaverei ein ſehr wackerer junger Mann,“ ſiel George ein;„ſeine Intelligenz ſowohl wie ſeine guten Grundſätze machten ihn allgemein beliebt. Ich weiß es, wie Sie ſehen,“ fügte er hinzu,„weil er in unſer Haus geheirathet hat.“
„Was für ein Mädchen?“ fragte Madame de Thour eifrig.
„Einen wahren Schatz,“ antwortete George,„ſie war ein ſchönes, intelli⸗
entes, liebenswürdiges, ſehr frommes Mädchen. Meine Mutter hatte ſie faſt o ſorgfältig, wie eine Tochter erzogen. Sie konnte leſen und ſchreiben, ſticken und nähen und ſang ausgezeichnet ſchön.“
„War ſie in Ihrem Hauſe geboren?“ fragte Madame de Thoux.
„Nein, mein Vater hatte ſie einſt auf einer ſeiner Reiſen nach New⸗Orle⸗ ans gekauft und als Geſchenk für meine Mutter mitgebracht. Sie war damals acht bis neun Jahre alt. Mein Vater hatte meiner Mutter nie ſagen wollen, wie theuer er ſie bezahlt, aber als wir unlängſt ſeine alten Papiere durchſahen, fanden wir den Kaufbrief. Er hatte eine wahrhaft ungeheure Summeffür ſie bezahlt— wahrſcheinlich wegen ihrer ungewöhnlichen Schönheit.“
George wendete Caſſy den Rücken zu, und er konnte daher den. aufmerk⸗ Ausdruck ihres Geſichts, als er dieſe Mittheilungen machte, nicht wahr⸗ nehmen. Als er bei dieſem Punkte ſeiner Erzählung angelangt war, berührte ſie ſei⸗ nen Arm und ſagte mit einein Geſicht, aus welchem die Spannung alles Blut vertrieben zu haben ſchien:
„Kennen Sie die Namen der Leute, von denen er ſie gekauft hat?“
„Ein Mann, Namens Simmons, war meines Wiſſens, die Hauptperſon bei dem Geſchäft, wenigſtens denke ich, daß dies der Name war, welcher auf dem Kaufbriefe ſtand.“
„O mein Gott!“ rief Caſſy und fiel bewußtlos nieder.
George und Madame de Thour machten jetzt große Augen; obgleich ſie
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