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Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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Der kleine alte Gentleman riß bei dieſer Auseinanderſetzung beide Augen weit auf; und obgleich er kein heller Denker war, hatte er doch ſo viel geſunden Sinn, wie manche Logiker in ähnlicher Lage,— nichts zu ſagen, wo ſich nichts ſagen ließ. Deshalb fuhr er in ſeinen Ermahnungen nur auf eine allgemeine Weiſe fort, während er ſorgſam jede Falte aus ſeinem Regenſchirme ſtrich.

„Du weißt, George, daß ich immer Dein Freund geweſen bin, und was ich ſagte, das ſagte ich zu Deinem Beſten. Nun ſcheint es mir, Du läufſt hier eine furchtbare Gefahr. Ihr könnt nicht hoffen, es auszuführen. Wirſt Du ergriffen,

ſo iſts noch ſchlimmer für Dich, als je; ſie werden Dich mißhandeln und halb

todt ſchlagen und den Fluß abwärts verkaufen.“

„Mr. Wilſon, ich weiß das Alles,“ ſagte George.„Ich laufe Gefahr, aber—“ Er öffnete ſeinen Rock und zeigte ein Paar Piſtolen und ein Bowie⸗ meſſer.„Da!“ ſagte er;„ich bin darauf vorbereitet. Nach dem Süden gehe ich nie. Kömmt's ſo weit, dann kann ich mir wenigſtens ſechs Fuß freie Erde verſchaffen;— die erſte und letzte, die ich je in Kentucky mein nennen werde.“

„Ei, George, Dein Gemüthszuſtand iſt furchtbar! Das iſt wahrhaft ver⸗

zweifelt!— Die Geſetze Deines Vaterlandes brechen zu wollen!“

„Wieder mein Vaterland! Mr. Wilſon, Sie haben ein Vaterland, aber

welches Vaterland habe ich oder irgend Einer, der gleich mir von einer Selaven⸗

mutter geboren wurde? Was für Geſetze giebt es für uns? Wir machen ſie nicht

— wir geben unſere Zuſtimmung dazu nicht, wir haben nichts mit ihnen zu ſchaffen. Alles, was ſie für uns thun, iſt, daß ſie uns niederdrücken. Habe ich

nicht Ihre Reden am 4. Juli gehört? Erzählen Sie uns nicht jedes Jahr ein

Mal, daß die Regierungen ihre gerechte Gewalt aus der Zuſtimmung der Re⸗ gierten ſchöpfen? Muß ein Menß

er nicht das Eine mit dem Andern zuſammenſtellen und ſehen, was daraus olgt?“.

Mr. Wilſon's Verſtand konnte nicht unpaſſend mit einem Ballen Baum⸗ wolle verglichen werden; leicht, weich, beweglich und verworren. Er bemitleidete George wirklich von ganzem Herzen, und hatte einen dunkeln Begriff von den Gefühlen, die ihn bewegten; aber er hielt es für ſeine Pflicht, mit unwandel⸗ barer Hartnäckigkeit gut zu ihm zu ſprechen.

„George, das iſt ſchlecht,“ ſagte er.„Ich muß Dir als Freund ſagen, daß du beſſer thäteſt, Dich nicht in ſolche Angelegenheiten zu miſchen. Sie ſind ſchlimm, ſehr ſchlimm, George, für Leute in Deiner Lage.“ Und Mr. Wil⸗ ſon ſetzte ſich auf einen Stuhl, und drehte heftig an dem Griffe ſeines Schirmes.

„Mr. Wilſon,“ ſagte George, indem er entſchloſſen ihm gerade gegenüber Platz nahm,„ſehen Sie mich an. Sitze ich hier nicht vor ihnen gerade ſo, als ob ich ein Menſch wie Sie wäre? Sehen Sie mein Geſicht— meine Hände — meinen Körper,“ und der junge Mann richtete ſich ſtolz empor.„Bin i nicht ein Mann ſo gut, wie irgend Einer? Nun gut, Mr. Wilſon, hören Sie,

was ich Ihnen ſagen will. Ich hatte einen Vater— einen Kentucky'ſchen

Gentleman— der nicht genug auf mich hielt, um zu verhindern, daß ich mit ſeinen Hunden und ſeinen Pferden verkauft wurde, als er ſtarb. Ich ſah meine Mutter mit ihren ſieben Kindern durch den Sheriff verkaufen. Sie wurden

vor ihren Augen verkauft, eines nach dem andern, alle an verſchiedene Herren

und ich war das jüngſte. Sie kniete vor dem alten Mas'r nieder und bat ihn, er möchte ſie mit mir kaufen, daß ihr wenigſtens eines ihrer Kinder bliebe; und er ſtieß ſie mit dem Fuße von ſich. Ich ſah ihn das thun, und das Letzte, was ich hoͤrte, waren ihre Seufßzer und ihr Geſchrei, als ich auf ſein Pferd gebunden wurde, um nach ſeinem Gute geſchleppt zu werden.“

ch, der ſo etwas hört, nicht denken? Muß