Druckschrift 
Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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„Nun, und dann?“

„Mein Maſter handelte mit einem der Männer und kaufte meine älteſte Schweſter. Sie war ein frommes, gutes Mädchen,— ein Mitglied der Bap⸗ tiſtenkirche— und ſo hübſch wie meine arme Mutter geweſen war. Sie war gut erzogen und hatte ein feines Benehmen. Anfangs war ich froh, daß mein Herr ſie kaufte, denn ich hatte doch wenigſtens ein befreundetes Weſen bei mir. Bald war ich darüber betrübt. Sir, ich ſtand an der Thür und hörte, wie ſie gepeitſcht wurde, und es trieb mir alles Blut zum Herzen, daß ich ihr nicht helfen konnte. Und ſie wurde gepeitſcht, Sir, weil ſie ein ſittſames, chriſtliches Leben führen wollte, wozu Eure Geſetze keinem Sklavenmädchen ein Recht ge⸗ ben. Und zuletzt ſah ich ſie an den Transport eines Sklavenhändlers gekettet, um auf den Markt nach Neuorleans gebracht zu werden. Sie wurde um we⸗ niger als nichts dahin geſchickt— und das iſt das Letzte, was ich von ihr weiß. — Nun gut, ich wuchs empor— Jahr für Jahr— ohne Vater, ohne Mutter, ohne Schweſter oder irgend eine lebende Seele, die ſich um mich nicht mehr be⸗ kümmerte, wie um einen Hund; nichts als Peitſchenhiebe, Auszanken, Hunger. Sir, ich bin ſo hungrig geweſen, daß ich froh war, wenn ich einen der Knochen erwiſchte, die ſie ihren Hunden vorwarfen; und als ich noch ein kleiner Junge war und ganze Nächte durchweinte, geſchah dies nicht aus Hunger oder wegen

der Peitſchenhiebe. Nein, Sir, ſondern um meine Mutter, um meine

Schweſter— weil ich keinen Freund hatte, den ich auf Erden lieben konnte. Ich wußte nie, was Ruhe oder Troſt ſei. Mit mir wurde nie ein freundliches Wort geſprochen, bis ich zur Arbeit in Ihre Fabrik kam. Mr. Wilſon, Sie

behandelten mich gut, Sie ermunterten mich, recht zu thun, leſen und ſchreiben

zu lernen, und zu verſuchen, Etwas zu werden, und Gott weiß, wie dankbar ich dafür bin. Dann, Sir, fand ich mein Weib;— Sie kennen ſie und wiſſen, wie ſchön ſie iſt. Als ich ſah, daß ſie mich liebte, als ich ſie heirathete, da konnte ich kaum glauben, daß ich lebte, ſo glücklich war ich; und, Sir, ſie iſt eben ſo gut wie ſchön. Aber was nun? Da kommt mein Herr, nimmt mich fort von meiner Arbeit, von meinen Freunden, von Allem, was ich liebe, tritt mich in den Koth! Und weshalb? Weil ich, wie er ſagte, vergeſſen hatte, wer ich ſei; er wollte mich lehren, ſagte er, daß ich nur ein Nigger wäre! Zuletzt

tritt er auch zwiſchen mich und meine Frau und ſagt, ich ſoll ſie verlaſſen und

mit einer andern Frau leben. Und zu dem Allen geben Eure Geſetze ihm die Gewalt, Gott zum Trotze. Mr. Wion, bedenken Sie nicht Eines von all den Dingen, die das Herz meiner Mutter und meiner Schweſter und meiner Frau und mein eigenes gebrochen haben, das Eure Geſetze nicht geſtatteten, und zu dem ſie Jedermann in Kentucky das Recht geben, ohne daß man ihm ſagen dürfte, nein! Nennen Sie das Geſetze meines Vaterlandes? Sir, ich habe eben ſo wenig ein Vaterland wie einen Vater gehabt. Aber ich werde eines finden. Ich verlange von Ihrem Vaterlande nichts, als allein zu blei⸗ ben,— es friedlich verlaſſen zu können. Wenn ich nach Canaba komme, wo die Geſetze mich beſchützen, ſo ſoll das mein Vaterland ſein und ich werde ſeinen Wenn mich aber irgend Jemand anzuhalten verſucht, ſo mag er

meinem letzten Athemzuge für meine Freiheit kämpfen. Ihr ſagt, daß Eure Väter es gethan haben, und wenn es von dieſen recht war, ſo kann es von mir nicht unrecht ſein.“

Dieſe mit Thränen und blitzenden Augen und verzweifelnden Geberden ge⸗ ſprochenen Worte überwältigten den gutmüthigen alten Mann, an den ſie ge⸗

vorſehen, denn ich bin auf's Aeußerſte getrieben. Ich werde bis zu

„