nie ihren Vater kennen lernen. Von einer der vornehmſten Familien in Ken⸗ tucky hatte er ſeine ſchönen europäiſchen Züge und einen ſtolzen, unbezähmbaren Muth geerbt. Von ſeiner Mutter hatte er nur eine leichte Mulattenfärbung empfangen, wofür das ſie begleitende tiefe dunkle Auge reichlich entſchädigte. Eine geringe Veränderung in der Farbe der Haut und der Farbe ſeines Haars hatte ihn in den ſpaniſch ausſehenden Mann, als welcher er erſchien, verwandelt, und da Anmuth der Bewegung und feine Manieren ihm ſtets vollkommen na⸗ türlich geweſen waren, wurde es ihm nicht ſchwer, die kühne Rolle, welche er übernommen— die eines mit ſeinem Domeſtiken reiſenden Gentlemans, zu ſpielen.
Mr. Wilſon, ein gutmüthiger, aber äußerſt ängſtlicher und vorſichtiger alter Herr trippelte im Zimmer auf und ab und ſchien zwiſchen dem Wunſche George zu helfen und einem unbeſtimmten Verlangen, Geſetz und Recht auf⸗ recht zu erhalten, hin und her zu ſchwanken.
„Nun George,“ ſagte er,„es ſcheint mir, daß Du davon läufſt— daß Du Deinen rechtmäßigen Herrn verläſſeſt, George— ich wundre mich nicht darüber — zu gleicher Zeit aber betrübt es mich, George,— ja, es betrübt mich— ich muß Dir das ſagen, George— es iſt meine Pflicht, es Dir zu ſagen.“
„Warum betrübt es Sie, Sir?“ fragte George ruhig.
Du Dich ſo zu ſagen gegen die Geſetze Deines Vaterlandes auflehnſt.“
„Meines Vaterlandes?“ ſagte George mit einem bittern Tone.„Was ſ ein Vaterland habe ich, als das Grab?— und ich wünſchte bei Gott, ich äge darin!“
4„Ei, George, nein, nein,— ſo zu ſprechen, iſt ſchlecht— nicht nach der Schrift. George, Du haſt einen harten Herrn,— in der That, das iſtr— er beträgt ſich tadelnswerth— ich kann nicht daran denken, ihn zu vertheidigen. Aber Du weißt, wie der Engel einſt Hagar gebot, zu ihrer Heerde zurückzukehren und ic ihr zu unterwerfen; und der Apoſtel ſchickte Oneſimus zu ſeinem Herrn zurück.“ 6
„Führen Sie mir die Bibel nicht auf ſolche Weiſe an, Mr. Wilſon,“ ſagte George mit flammendem Auge;„meine Frau iſt eine Chriſtin, und ich denke es zu ſein, wenn ich je hinkomme, wo ich es ſein kann; doch die Bibel gegen einen Menſchen in meinen Umſtänden anzuführen, iſt genug, um ſie ihn für immer vergeſſen zu machen. Ich berufe mich auf Gott den Allmächtigen; ich bin bereit, ſo ihn zu treten und ihn zu fragen, ob ich Unrecht thue, daß ich meine Freiheit uche.“ 8 „Dieſe Gefühle find ganz natürlich, George,“ fagte der menſchenfreundliche
ann.„Ja, ſie ſind natürlich, aber es iſt meine Pflicht, Dich nicht darin zu beſtärken. Ja, mein Junge, ich bin deinetwegen beſorgtz es iſt ein böſer Fall— ein ſehr böſer. Der Apoſtel ſagt:„Es folge Jeglicher ſeinem Berufe!“— Wir müſſen uns Alle den Beſtimmungen der Vorſehung fügen, George— ſiehſt Du
das nicht ein?“
George ſtand da, den Kopf hintenübergeworfen, die Arme über der breiten Bruſt gekreuzt und ein bitteres Lächeln umſpielte ſeine Lippen.
Ich möchte wohl wiſſen, Mr. Wilſon,“ ſagte er,„wenn die Wilden kämen, und Sie gefangen von Ihrer Frau und Ihren Kindern fortſchleppten, und Sie Ihr Leben lang für ſich arbeiten ließen, ob Sie es dann auch für Ihre Pflicht halten würden, in der Lage zu beharren, zu der Sie berufen wären! Ich glaube weit eher, Sie würden das erſte freie Pferd, das Sie fänden, für einen Fingerzeig des Himmels halten;— würden Sie das nicht?“


