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Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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„Ja, Maſter,“ antwortete Jim,„nur daß ich wegen der Hand nicht ge⸗ wiß bin.“

„Danach habe ich natürlich auch nicht geſehen,“ fuhr der Freinde gähnend fort. Hierauf wendete er ſich zu dem Wirthe und forderte ihn auf, ihm ein Zim⸗ mer zu geben, da er ſofort etwas zu ſchreiben habe.

Der Wirth war die Dienſtfertigkeit ſelbſt und bald ſchwirrte eine Schaar von ſechs bis ſieben alten und jungen, männlichen und weiblichen, großen und kleinen Negern wie ein Volk Rebhühner umher, um das Zimmer des fremden Herrn in Ordnung zu bringen, während er ſich nachläſſig auf einen Stuhl in der Mitte des Zimmers ſetzte und mit dem ihm Zunächſtſitzenden ein Geſpräch

anknüpfte.

Mr. Wilſon, der Fabrikant, hatte den Fremden von dem Augenblicke ſeines Eintretens an mit ängſtlicher und unruhiger Neugier betrachtet. Es war ihm als ob er ihn ſchon irgendwo getroffen und kennen gelernt habe, und dochkonnte er ſich nicht erinnern wo. Wenn der Fremde ſprach oder ſich bewegte oder lächelte, ſchrak er zuſammen und heftete den Blick auf ihn, um ihn plötzlich wie⸗ der abzulenken, wenn die glänzenden dunkeln Augen den ſeinen mit der gleich⸗ giltigſten Ruhe begegneten. Endlich ſchien eine plötzliche Erinnerung in ihm aufzuͤblitzen, denn er ſtarrte den Fremden mit einer ſolchen Ueberraſchung und Beſorgniß an, daß dieſer zu ihm trat.

„Mr. Wilſon, wenn ich nicht irre?“ ſagte er, ihm die Hand reichend, als ob er ihn jetzt erſt erkannt hätte.„Ich bitte um Verzeihung, daß ich mich Ihrer nicht früher erinnert habe. Ich ſehe, daß auch Sie mich nicht vergeſſen haben — ich bin Mr. Butler von Oaklands in der Graſſchaft Shelby.“

„Ja— ja, Sir,“ ſagte Mr. Wilſon wie im Traume.

36 trat ein Negerknabe ein und meldete, daß das Zimmer des Herrn

8 bereit ſei.

„Jim, ſorge für die Koffer!“ ſagte der Fremde nachläſſig, worauf er ſich zu Mr. Wilſon wendend hinzufügte:„Ich möchte auf meinem Zimmer einige Minuten wegen Geſchäften mit Ihnen ſprechen, wenn es Ihnen gefällig wäre.“

Mr. Wilſon folgte ihm wie ein Nachtwandler und ſie begaben ſich in ein großes Zimmer im erſten Stock, wo ein friſch angezündetes Feuer praſſelte und mehrere Diener umhereilten und die letzte Hand an die Arrangements legten.

Sobald Alles gethan war und die Dienerſchaft ſich entfernt hatte, verſchloß der junge Mann ruhig die Thür, ſteckte den Schlüſſel in die Taſche, drehte ſich um, kreitzte die Arme auf der Bruſt und blickte feſt in Mr. Wilſon's Geſicht.

„George!“ ſagte dieſer.

„Ja, George, antwortete der junge Mann.

„Das hätte ich nicht gedacht!“

„Ich glaube ſo ziemlich gut verkleidet zu ſein,“ ſagte der junge Mann lächelnd.„Ein wenig Wallnußrinde hat meiner gelben Haut ein ſchönes Braun gegeben und ich habe mein Haar ſchwarz gefärbt. Sie ſehen alſo, daß ich dem

Signalement nicht im Mindeſten eutſpreche.“ —„O, George, Du ſpielſt ein gefährliches Spiel. Ich würde Dir nicht dazu gerathen haben.“ Ich kann es auf meine eigne Verantwortung thun,“ ſagte George mit demſelben ſtolzen Lächeln.

Wir bemerken im Vorübergehen, daß George von väterlicher Seite weißer Abkunft war. Seine Mutter war eines von den unglücklichen Geſchöpfen ihres Stammes geweſen, welche durch perſönliche Schönheit zu Sklavinnen der Leidenſchaft ihrer Herren und die Mutter von Kindern werden, welche vielleicht

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