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Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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„Ich weiß nichts,“ antwortete der Mann.

„Rauen Sie?“ fragte der Andere, indem er dem alten Herrn mit enſchieden brüderlicher Miene ein Primchen von ſeinem Tabak reichte.

„Nein, ich danke Ihnen, es bekommt mir nicht,“ entgegnete der kleine Mann hinwegrückend.

„Wirklich nicht?“ ſagte Jener lächelnd, und ſchob das Stück in ſeinen eigenen Mund, um den Vorrath von Tabaksſaft zum allgemeinen Wohle der Geſellſchaft nicht ausgehen zu laſſen.

Der alte Mann ſchrak ſtets ein wenig zuſammen, wenn ſein langer Bruder auf ihn abfeuerte, und als ſein Nachbar dies bemerkte, richtete er gutmüthig ſeine Artillerie nach einer andern Seite und begann eines von den Schüreiſen mit einem Grade von militäriſchem Talente zu beſchießen, welches vollkommen hinreichend geweſen wäre, um eine Stadt einzunehmen.

„Was iſt das?“ fragte der alte Herr, als er bemerkte, daß ſich einige Mit⸗ glieder der Geſellſchaft um einen großen Anſchlagzettel gruppirt hatten.

„Eine Niggerankündigung,“ ſagte Einer von der Geſellſchaft kurz.

Mr. Wilſon, denn ſo hieß der alte Herr, ſtand auf, zog, nachdem er Mantel⸗ ſack und Regenſchirm ſorgfältig auf die Bank gelegt, ſeine Brille heraus, heftete ſie auf die Naſe und las, nachdem er dieſe Operation beendigt hatte, wie folgt:

„Dem Unterzeichneten iſt ſein Mulattenburſche George entlaufen. Beſag⸗ ter George iſt ſechs Fuß hoch, ein ſehr heller Mulatte mit braunem, gelocktem Haar, ſehr intelligent, ſpricht hübſch, kann leſen und ſchreiben, wird ſich wahr⸗

ſcheinlich für einen Weißen auszugeben verſuchen; hat tiefe Narben auf dem Rücken und den Schultern und in der rechten Hand iſt ihm der Buchſtabe H eingebrannt.“

„Ich werde Demjenigen, der ihn mir lebend zurückbringt, vierhundert und die gleiche Summe für den genügenden Beweis von ſeiner Tödtung ahlen.“ S Der alte Herr las dieſe Anzeige mit leiſer Stimme vom Anfange bis zu Ende, als ob er ſie auswendig lernen wollte.

Der langbeinige Veteran, welcher, wie bereits erzählt, das Schüreiſen be⸗

ſchoſſen hatte, nahm jetzt ſeine mächtige Geſtalt zuſammen, erhob ſich langſam

trat vor den Inſchlagzettel und ſpuckte wohlbedächtig eine volle Salve Tabaks⸗ ſaft darauf.

„Das iſt meine Anſicht darüber,“ ſagte er kurz, und ſetzte ſich wieder nieder.

„Ei, Sir, was ſoll das heißen!“ rief der Wirth.

„Ich würde dem Schreiber dieſes Zettels das Nämliche anthun, wenn er hier wäre,“ ſagte der lange Mann, indem er kaltblütig in ſeinem Geſchäft des Tabaksſchneidens fortfuhr.„Wer einen ſolchen Burſchen beſitzt und keine beſſere Behandlungsweiſe für ihn finden kann, verdient ihn j. verlieren. Solche An⸗ zeigen ſind eine Schande für Kentucky, das iſt meine Meinung, wenn Jemand

ſie zu wiſſen verlangt.“ ri. iſt wahr,“ ſagte der Wirth, während er einen Poſten in ſein Buch 3 rieb. 1

„Ich habe eine Heerde Burſchen, Sir,“ ſagte der lange Mann, der jetzt

ſeinen Angriff auf die Schüreiſen wieder begonnen hatte„und ich ſage zu ihnen; Lauft Jungen verduftet! echappirt wenn Ihr wollt! ich werde Euch nicht nach⸗ laufen! Auf dieſe Weiſe behalte ich meine Leute. Wenn man ihnen ſagt, daß es ihnen jeder Zeit freiſteht davon zu laufen, ſo vergeht ihnen die Luſt dazu. Ueberdies habe ich ihnen Allen Freiſcheine ausgeſtellt und ſie regiſtriren laſſen,

im Fall ich ſterben ſollte; das wiſſen ſie und ich ſage Ihnen, Sir, daß es in un⸗