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Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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ſichern Hafen getrieben worden war, und das Lokal zeigte das gewöhnliche Aus⸗ ſehen ſolcher Verſammlungen. Lange, vierſchrötige Kentuckher in Jagdhemden und mit ſchlotternden Gliedern, die ſie in dem dieſem Geſchlechte eigenthüm⸗ lichen behaglichen Schlendergange über eine ungeheure Bodenſtrecke dahin⸗ ſchleppen, in der Ecke zuſammengeſtellte Büchſen, Schrotbeutel, Jagdtaſchen und ſich bunt durcheinander wälzende Jagdhunde und Negerkinder waren die charakteriſtiſchen Züge des Bildes. An jedem Ende des Kamins ſaß ein lang⸗ beiniger Herr mit rückwärtsgelehntem Stuhle, den Hut auf dem Kopfe und nachläſſig auf den Kaminſtäben ruhenden kothigen Stiefeln. Der hinter dem Schenktiſche ſtehende Wirth war, gleich den meiſten ſeiner Landsleute, von großer Statur, gutmüthig und ſchlotterbeinig, hatte einen ungeheuern Wald von Haaren auf dem Kopfe und trug einen mächtig hohen Hut.

Uebrigens trugen ſämmtliche im Zimmer Anweſende dieſes charakteriſtiſche Symbol der Souverainetät des Mannes auf dem Kopfe, mochte es nun ein Filz⸗ hut, ein Palmenhut, ein fettiger Biber vder ein ſchöner neuer Velpel ſein. Es ſchien zugleich das Charakterzeichen eines jeden Individuums zu ſein. Einige trugen den ihren keck auf der Seite. Dies waren die Männer von Humor, luſtige und geſellige Burſchen, Andere hatten die ihren über die Naſe herabgezogen— dies waren die energiſchen Charaktere„echte Männer, die, wenn ſie ihre Hüte trugen, ſie auf dem Kopfe haben und tragen wollten, wie es ihnen beliebte; noch Andere hatten ſie weit nach hinten geſetzt und dies waren wieder kluge Leute, die eine unbehinderte Ausſicht haben wollten, während leichtſinnige Männer, die nicht wußten und ſich nicht darum kümmerten, wie ihre Hüte ſaßen, ſie nach allen Seiten hin rückten. Die Hüte lieferten wirklich Stoff zu einem echt Shakeſpeare'ſchen Studium.

Eine Anzahl von Negern in weiten Beinkleidern und allen Ueberfluſſes ent⸗ behrenden Hemden liefen hin und her, ohne etwas Beſonderes zu thun, außer daß ſie eine allgemeine Bereitwilligkeit, Alles zur Schöpfung Gehörige zum Vortheil des Maſter und ſeiner Gäſte dienſtbar zu machen, an den Tag legten. Wenn man zu dieſem Bilde ein munteres, praſſelndes Feuer, welches luſtig einen weiten Schornſtein hinaufloderte, weit offene Thüren und Fenſter und in dem heftigen, feuchten, rauhen Winde flatternde Fenſtervorhänge fügt, ſo kann man ſich eine Idee von den Annehmlichkeiten eines Kentuckyer Wirthshauſes machen.

In dieſe Geſellſchaft trat unſer Reiſender. Er war ein kurzer, unterſetzter, ſorgfältig gekleideter Mann mit einem runden, gutmüthigen Geſichte und etwas eigenem, pedantiſchen Aeußeren. Er ſorgte aufmerkſam für ſeinen Mantelſack und Regenſchirm, brachte dieſe Gegenſtände eigenhändig herein und wies alle Anerbiekungen der verſchiedenen Diener, ihn derſelben zu entledigen, beharrlich zurück. Er ſah ſich mit faſt ſcheuer Miene im Schenkzimmer um, zog ſich mit ſeinen Beſitzthümern in den wärmſten Winkel zurück, legte ſie unter ſeinen Stuhl, ſetzte ſich darauf nieder und blickte mit einiger Beſorgniß zu dem Manne auf, deſſen Stiefelabſätze das Ende der Kaminſtäbe zierten und der mit einem Muthe und einer Energie, die für Männer von ſchwachen Nerven und Rein⸗ lichkeitsſinn faſt ſchreckenerregend waren, bald rechts bald links ausſpuckte.

„Nun, Fremder, wie geht's?“ ſagte der vorgenannte Gentleman, indem ſih Chrenſalve von Tabaksſaft nach der Richtung des Neuangekommenen

e.

Ich denke gut,“ antwortete Jener, der ihm drohenden Ehre beſorgt aus⸗ weichend.

„Was giebtes Meues?“ fragte der Erſtere, indem er eine Stange Kau⸗ tabak und ein großes Jagdmeſſer aus der Taſche nahm.