Druckschrift 
Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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Jetzt kam Haley mit den Handſchellen in den Händen an die Thür.

„Hören Sie einmal, Maſter,“ ſagte George, als er heraustrat, mit über⸗ legener Miene,„ich werde meinen Eltern erzählen, wie ſie den Onkel Tom be⸗

andeln.“

„Das will ich Ihnen gern erlauben,“ ſagte der Sklavenhändler.

„Schämen Sie Sich nicht, Ihr Lebenlang Männer und Weiber zu kaufen und ſie anzuketten wie das Vieh? Ich ſollte meinen, daß es Ihnen ſelbſt zu ſchlecht wäre.“

„So lange die vornehmen Leute Männer und Weiber kaufen, bin ich eben ſo gut wie ſie,“ ſagte Haley;„das Verkaufen iſt nicht ſchlechter als das Kaufen.“

„Ich werde weder das Eine noch das Andere thun, wenn ich ein Mann bin,“ ſagte George;„ich ſchäme mich ein Kentuckyer zu ſein; ich bin früher immer ſo ſtolz darauf geworden.“ Und George richtete ſich auf ſeinem Pferde empor und blickte mit einer Miene um ſich, als erwartete er, daß ſein Urtheil einen großen Eindruck auf den Staat machen werde.

„Nun lebe wohl, Onkel Tom, und halte die Oberlippe ſteif,“ ſagte George.

„Leben Sie wohl, Mr. George,“ ſagte Tom, ihn mit liebevoller Bewun⸗ derung anblickend.„Gott der Allmächtige ſegne Sie! Ach, Kentucky hat nicht Viele, die Ihnen gleichkommen,“ fügte er in der Fülle ſeines Herzens hinzu,

als das offene Knabengeſicht ſeinen Blicken entſchwand. Er entfernte ſich und

Tom blickte zurück, bis der Hufſchlag ſeines Pferdes in der Ferne verhallte; es war der letzte Klang ſeiner Heimath! Auf ſeinem Herzen ſchien ſich jedoch da, wohin jene jungen Hände den koſtbaren Dollar gehängt hatten, ein warmes Plätzchen zu befinden. Tom erhob ſeine Hand und dräckte ſie feſt auf ſeine Bruſt.

„Nun will ich Dir etwas ſagen, Tom,“ ſprach Haley, indem er an den Wagen trat und die Handſchellen hineinwarf:„ich werde es ehrlich mit Dir halten, wie ich es mit meinen Niggern gewöhnlich thue, und ich ſage Dir jetzt zum Anfange, daß ich Dich ehrlich behandeln werde, wenn Du mich ehrlich be⸗ handelſt. Ich bin gegen meine Neger nie hart, ich thue für ſie das Beſte, was ich kann. Nun, ſiehſt Du, das Beſte, was Du thun kannſt, wird das ſein, Dich ruhig in die Sache zu finden und keine Streiche gegen mich zu verſuchen, denn ich kenne alle die Negerſtreiche, wie ſie auch heißen mögen und bei mir nutzen ſie nichts. Wenn die Nigger ſich ruhig verhalten und keinen Verſuch zum Entlaufen machen, ſo haben ſie bei mir gute Zeit, und wenn ſie es nicht thun, ſo iſt es ihre Schuld und nicht die meine.“

Tom verſicherte Haley, daß er keineswegs im Sinne habe, ihm zu ent⸗ laufen; in der That ſchien die Ermahnung einem Manne, der ein paar ſchwere Schellen an den Füßen hatte, gegenüber, ziemlich überflüſſig zu ſein; aber Mr. Haley hatte die Gewohnheit angenommen, ſein Verhältniß zu ſeinen Waa⸗ ren mit derartigen kleinen Ermahnungen zu beginnen, da er dadurch guten Muth und Vertrauen einzuflößen und der Nothwendigkeit unangenehmer See⸗ nen vorzubeugen glaubte.

Und hier nehmen wir jetzt von Tom Abſchied, um dem Schickſale anderer Perſonen unſerer Geſchichte zu folgen.

11. Eigenthum geräth in einen ungeeigneten Gemüthszuſtand.

Spät an einem regneriſchen Nachmittage ſtieg ein Reiſender an der Thür eines kleinen Gaſhauß im Städtchen N— in Kentucky ab. Er fand im

Schenkzimmer eine bunte Geſellſchaft verſammelt, welche vom Wetter in den

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